18.05.2017

Renke Brahms: Die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt stärker wahrnehmen

Dieter Junker
EKD

Die Bedeutung, aber auch die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt hat der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Renke Brahms, betont. Der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche begrüßt daher nachdrücklich die Initiative des deutschen Bundesaußenministers Siegmar Gabriel, im Vorfeld des Deutschen Evangelischen Kirchentages zahlreiche Religionsvertreter nach Berlin zu einem Erfahrungsaustausch über die Friedensverantwortung der Religionen einzuladen, an dem er selbst auch teilnehmen wird.  

"„Religionen müssen zum Frieden beitragen. Und sie können in Konflikten friedensstiftende Impulse geben", ist der EKD-Friedensbeauftragte überzeugt. Er verwies auf zahlreiche Beispiele, in denen Religionen wichtige Friedensakzente setzten. „"Während des Völkermordes in Ruanda waren es Muslime, die bedrohten Christen Schutz boten", so Renke Brahms. Andere Beispiele seien die Vermittlung eines Friedensvertrages im Bürgerkrieg in Mozambique durch die katholische Gemeinschaft Sant´Egidio oder die Friedensgebete in den Kirchen der DDR, die einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Revolution leisteten. 

Leider würden in den vergangenen Jahren Fanatiker, die im Namen von Religionen Terroranschläge verübten, das Bild von Religionen prägen. Renke Brahms: „"Seit den entsetzlichen Terroranschlägen von 2001 ist besonders der gewaltbereite islamistische Terrorismus in den Blick der Weltöffentlichkeit geraten.“" Doch hier gelte es, zwischen dem Islam und dem Islamismus, der einen auf Zerstörung ausgerichteten Terrorismus  vertrete, deutlich zu unterscheiden. „"Für keine der großen Weltreligionen besteht ein notwendiger und unvermeidlicher Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt“", ist der EKD-Friedensbeauftragte überzeugt. Vielmehr würden häufig soziale, machtpolitische und ökonomische Faktoren zum Ausbruch von Gewalt oder zur Eskalation von Konflikten beitragen. „"Diese können dann zwar religiös legitimiert werden, haben aber im Kern keine religiösen Ursachen. Und solche Entwicklungen kennen leider alle Weltreligionen, auch das Christentum“", betont Renke Brahms. 

Gerade darum sei es wichtig, dass bei Treffen wie nun in Berlin deutlich werde, dass Religionen große friedensstiftende Möglichkeiten hätten. „"Dietrich Bonhoeffer hat schon 1934 betont, dass nur ein Konzil der Kirchen zum Frieden in der Welt aufrufen könne. Und der nicht zuletzt von Carl Friedrich von Weizsäcker beim Kirchentag in Düsseldorf initiierte Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung hat überall in der Welt Spuren hinterlassen", macht der EKD-Friedensbeauftragte deutlich.