03.01.2022

Kirchlicher Friedensbeauftragter warnt vor völkischen Denkstrukturen

epd

Bremen (epd). Der Friedensbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Jasper von Legat, hat vor zunehmenden völkischen und rassistischen Denkstrukturen in der Gesellschaft gewarnt. „Wenn ich auf den Demos der Verschwörungs-Anhänger höre, wie sie 'Ein Baum, ein Strick, ein Pressegenick' skandieren, dann erlebe ich eine Geisteshaltung, die auch den Faschismus in Deutschland ermöglicht hat und der dringend Einhalt geboten werden muss“, sagte er am Montag. Von Legat ist Pastor der Friedensgemeinde und seit einem Jahr Friedensbeauftragter seiner Kirche.

Die Kirche dürfe angesichts von Ungerechtigkeiten oder Krieg nicht schweigen, sagte von Legat. „Wir dürfen nicht still sein, wenn Menschen aufgrund Ihrer Religion oder ihrer politischen Haltung beleidigt, diffamiert oder angegriffen werden.“

Enttäuscht zeigte sich der Friedensbeauftragte von der neuen Bundesregierung. Sie habe sich im Koalitionsvertrag nicht entschieden gegen den Einsatz von Kampfdrohnen ausgesprochen. „Die Evangelische Friedensarbeit lehnt Kampfdrohnen sowohl aus ethischen als auch sicherheitspolitischen Gründen ab“, betonte von Legat. Die Hemmschwelle, einen tödlichen Einsatz zu befehlen, sinke beim Einsatz automatischer Waffensysteme. „Drohnen tragen dazu bei, Konflikte zu eskalieren und zu destabilisieren, anstatt sie zu entschärfen.“

Sorge bereite ihm auch die weltweite Rüstungsproduktion und der provozierende Aufmarsch russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine. Europa und die USA müssten aufpassen, nicht in eine Spirale der Gewalt zu geraten. Andernfalls drohten Kriege und Auslandseinsätze. Wohin dies führen könne, sei in Syrien, Afghanistan oder Mali zu beobachten. „Deshalb fordert die Evangelische Friedensarbeit, dass mehr Geld in zivile Konfliktlösungen investiert wird, auch in Deutschland, um Friedensbildung und soziale Kompetenzen zu stärken“, unterstrich der Friedensbeauftragte.