30.03.2022

Internationale Übung zur Abrüstung von Atomwaffen

epd

Hamburg, Jülich (epd). Forschende und Diplomaten aus zwölf Ländern nehmen im April an einer Übung des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Zentrums für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) der Universität Hamburg zur kontrollierten Abrüstung von Atomwaffen teil. Die mehrtägige Übung in Jülich mit Delegierten der Atommächte Frankreich, Großbritannien und USA sowie Experten aus Ländern, die keine Atomwaffen besitzen, wie Kanada, Japan oder Norwegen, findet im Auftrag des Auswärtigen Amtes sowie des französischen Außen- und Verteidigungsministeriums statt, wie das ZNF am Mittwoch mitteilte.

Die Übung findet vom 4. bis 8. April im Strahlenschutzbereich des Forschungszentrums Jülich statt. Einige der Teilnehmenden schlüpfen in die Rolle von Inspektoren und treten gegen Abgeordnete einer fiktiven Atommacht an. Sie üben mit einer eigens entworfenen Attrappe, die statt Plutonium zwar auch radioaktives, aber weniger schädliches Barium und Californium enthält. Sie werden neue Verfahren testen, die die Abrüstungsabläufe beschleunigen sollen.

Hintergrund der Übung sei die bisher nicht umgesetzte Vereinbarung aus dem Atomwaffensperrvertrag von 1968, Nuklearwaffen unter internationaler Aufsicht abzurüsten, hieß es. Wichtige Aspekte blieben bei der Abrüstung daher bisher ungeprüft. Zum Beispiel die Frage, ob das radioaktive Material aus den Waffen tatsächlich so behandelt wurde, dass es nicht mehr für Kriegszwecke eingesetzt werden kann.

„Atommächte halten die Konstruktionsdetails ihrer Nuklearwaffen streng geheim“, sagte ZNF-Leiter Gerald Kirchner. „Deswegen lehnen sie die international kontrollierte Abrüstung ab, solange keine Verfahren entwickelt sind, die die Geheimhaltung solcher Informationen garantieren.“

Bei einer Übung 2019 brauchten die Inspektoren den Angaben nach drei Tage, um die Demontage eines Sprengkopfs zu überwachen. „Kommt es jemals zu einer vertragsgemäßen Abrüstung, müssen mehrere Hundert Nuklearwaffen jährlich beseitigt werden. Dreieinhalb Tage für einen einzelnen Sprengkopf und einen einzigen Schritt des Abrüstungsprozesses wären zu langsam“, sagte Kirchner.