29.03.2021

Ostermärsche mahnen zu Frieden und Abrüstung

epd

Düsseldorf/Bonn (epd). Trotz Corona-Pandemie wollen die Organisatoren der Ostermärsche ab Gründonnerstag für Frieden und Abrüstung demonstrieren. Im Mittelpunkt der traditionsreichen Proteste der deutschen Friedensbewegung steht nach Angaben der Friedenskooperative in Bonn in vielen Städten die Forderung nach einer Abkehr von der Zwei-Prozent-Vorgabe der Nato für die Militärausgaben der Haushalte der einzelnen Mitgliedsstaaten. 

Die Kooperative meldet vom 1. bis 5. April bundesweit in etwa 90 Orten Demonstrationen, Kundgebungen, Wanderungen, Fahrradtouren, Blockadeaktionen oder Friedensfeste der Ostermarschbewegung. Alleine in NRW sind Aktionen an rund 20 Orten geplant, unter anderem der Ostermarsch Rhein/Ruhr. Der steht in diesem Jahr unter dem Motto "Atomwaffen verbieten - Klima schützen statt aufrüsten - Nein zur EU-Armee!". Unter "www.ostermarsch.de" sind zudem virtuelle Aktionen geplant.

Gerade die andauernde Corona-Pandemie habe gezeigt, dass die immer weitere Erhöhung der Militärausgaben kein sinnvoller Beitrag für die Sicherheit sei, sagte Kristian Golla, Sprecher der Friedenskooperative. Statt mehr Geld in die Rüstung zu stecken, müssten vor allem Investitionen in Bereiche wie Gesundheit und Pflege, Bildung und ökologischen Umbau verstärkt werden.  

Ein weiteres zentrales Thema der Ostermärsche wird der Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) sein. Die bevorstehende Aufrüstung der in Deutschland stationierten Atombomben sowie die Pläne zur Anschaffung neuer Atombomber müssten schnellstens gestoppt werden, so die Atomwaffen- und Rüstungsgegner. Im nordrhein-westfälischen Nörvenich bei Düren gibt es eine Flugstaffel der Bundeswehr, die Bestandteil der Nato-Reaktionsstreitmacht ist, die an den Grenzen zu Russland stationiert ist. 

In Gronau in Westfalen wollen die Ostermarschierer Karfreitag vor der Urananreicherungsanlage protestieren. In Münster fahren die Teilnehmer des Ostermarsches am Karsamstag mit Fahrrädern zur Manfred-von-Richthofen-Kaserne, um für Frieden und Abrüstung zu demonstrieren. In Dülmen wollen die Demonstranten Ostermontag unter dem Motto "Mehr Verantwortung übernehmen - Sicherheit neu denken" das US-Waffendepot "Tower Barracks" blockieren. Aktionen der Friedensbewegung gibt es unter anderem auch in Berlin, Hamburg, München, Kiel, Saarbrücken, Hannover, Schwerin oder Leipzig. 

Veranstalter, Teilnehmer und Redner bei den unterschiedlichen Aktionen kommen von den beiden großen christlichen Kirchen, den Gewerkschaften, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner, aus Parteien und Verbänden. Entstanden ist die Ostermarsch-Bewegung in Großbritannien, wo sich am Karfreitag 1958 in London unter der Regie des britischen Philosophen Bertrand Russel 10.000 Menschen für die atomare Abrüstung demonstrierten.

In Deutschland fand der erste Ostermarsch 1960 statt. Höhepunkte erlebte die Ostermarsch-Bewegung in Deutschland in den Zeiten der Anti-Atomkraft-Bewegung, im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg und der Debatte über die Nato-Nachrüstung.