17.09.2021

Kinderhilfswerk: Minderjährigen Rekruten drohen seelische Schäden

epd

Frankfurt/Main, Osnabrück (epd). Das Kinderhilfswerk terre des hommes wirft der Bundesregierung wegen der Rekrutierung Minderjähriger zur Bundeswehr schwere Kinderrechtsverletzungen und einen Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention vor. Daten aus dem Verteidigungsministerium belegten, dass in den vergangenen drei Jahren mindestens 17 minderjährige Mädchen und Jungen in der Bundeswehr Opfer von sexueller Gewalt wurden, teilte die Organisation am Freitag in Osnabrück mit. Mindestens acht seien bei Unfällen zu Schaden gekommen, ein minderjähriger Soldat habe Suizid verübt. Fast jeder vierte Soldat der Bundeswehr ohne Einsatzerfahrung leide unter psychischen Erkrankungen.

Die Zahlen entnahm terre des hommes zwei Antworten des Verteidigungsministeriums vom Februar und März diesen Jahres auf eine Anfrage des CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich, die die Organisation zum Weltkindertag am 20. September veröffentlichte.

Darin führt das Verteidigungsministerium aus, dass minderjährige Soldatinnen und Soldaten keinen Dienst mit der Waffe ausübten und nicht an Wachdiensten oder Auslandseinsätzen teilnähmen. Zudem müssten die Eltern zustimmen, die Bewerber durchliefen ein umfassendes Auswahlverfahren. „Die Einstellungspraxis steht damit vollständig im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention und ihrem Fakultativprotokoll zur Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“, heißt es in der Ministeriums-Antwort.

Demnach betrug der Anteil von Minderjährigen in der Bundeswehr 2020 sieben Prozent von rund 16.500 Neueinstellungen, in den Jahren davor lag ihr Anteil zwischen acht und neun Prozent.

Es sei nicht akzeptabel, dass Jugendliche als Soldatinnen und Soldaten eingestellt und in „der Bundeswehr schweren Risiken ausgesetzt werden und es noch nicht mal besondere Schutzmaßnahmen für sie gibt“, kritisierte auch Martina Schmerr, Sprecherin der Initiative „Unter 18 nie - Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“, der Hilfsorganisationen, Kirchen und Gewerkschaften angehören. In Schulen und Bildungseinrichtungen gebe es strenge Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Der selbe Maßstab müsse auch für die Bundeswehr gelten.