12.09.2021

Hilfswerke fordern mehr Unterstützung für Menschen in Afghanistan

epd

Berlin, Genf (epd). Kurz vor der UN-Konferenz für Afghanistan am Montag in Genf haben Hilfswerke auf die verzweifelte Lage der Bevölkerung in dem krisengeschüttelten Land hingewiesen. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), niemand wisse, wie viele Menschen unter den gegenwärtigen Bedingungen Afghanistan verlassen wollten oder könnten. Auch die Welthungerhilfe appellierte an die Regierungen, die humanitäre Operationen fortzusetzen.

Caritas-Präsident Neher sagte, es sei fraglich, ob vorwiegend die Nachbarländer die Menschen aufnehmen sollten. Viele seien selbst in einer prekären Lage. „Wir plädieren dafür, möglichst rasch wieder mit der humanitären Hilfe zu beginnen“, sagte der Caritas-Präsident.

Bis zur Machtübernahme der radikalislamischen Taliban Mitte August betrieb die Auslandshilfe des katholischen Wohlfahrtsverbands, Caritas International, zwölf Projekte in Afghanistan, davon laufen Neher zufolge derzeit noch zwei. Von den Ortskräften der Caritas habe es bisher niemand mit den Evakuierungen aus dem Land geschafft, sagte Neher.

Auf der UN-Konferenz soll auf Einladung von UN-Generalsekretär António Guterres über humanitäre Hilfen für Afghanistan beraten werden. Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) wird bei dem Treffen erwartet.

Bis Ende des Jahres würden für die humanitäre Hilfe 606 Millionen US-Dollar (513 Millionen Euro) in dem Land gebraucht, erklärten die UN. Mehrmals hatten UN-Verantwortliche die Staaten zu mehr Unterstützung für die Menschen in Afghanistan aufgefordert. Rund die Hälfte der 38 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Afghanistans seien auf humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln, Wasser oder Medikamenten angewiesen. Rund ein Drittel der Bevölkerung wisse nicht, wie es an die nächste Mahlzeit kommen solle.

Auch die Welthungerhilfe appellierte nachdrücklich an die Regierungen, die humanitären Operationen fortzusetzen. Die Welthungerhilfe ist nach eigenen Angaben weiter in Afghanistan vertreten. Lokale Mitarbeiter hätten sich in den vergangenen zwei Wochen bei Erkundungsmissionen im Norden des Landes ein Bild gemacht. Die Hilfsorganisation zeichnet ein drastisches Bild: Viele Häuser seien bei den Kämpfen zuletzt zerstört worden.

Die Mehrheit der besuchten Dörfer habe keinen Zugang zu Trinkwasser, keines erhalte derzeit Nahrungsmittelhilfe von außen. Zudem lebten viele Frauen dort allein mit ihren Kindern, nachdem ihre Männer bei den Kämpfen getötet worden oder geflüchtet seien.

Die Welthungerhilfe forderte die Staaten auf, mit den Taliban über Bedingungen für humanitäre Hilfe zu verhandeln. Dazu gehörten der ungehinderte Zugang zu Bedürftigen, die Neutralität der humanitären Hilfe und Sicherheitsgarantien für Helfer.