29.07.2021

EAK trauert um Alt-Bischof Christoph Demke

Günter Knebel
EAK

„Seine klare pazifistische Haltung hat viele ermutigt,“ verlautbart die Evangelische Kirche Mitte in ihrem Nachruf auf Christoph Demke in erfreulicher Klarheit. Im Spektrum kirchlicher Friedensethik, die in ihrer Positionierung bezüglich Anwendung und Einsatz von Waffengewalt auch 2021 immer noch weithin „eindeutig zweideutig“ ist, eine erfreuliche Ansage.

Möge sie Früchte tragen, auf dem Weg zu gewaltfreier Austragung von Konflikten voranzukommen. Genau das war Christoph Demkes Anliegen und Herzenssache, seit ich ihn Mitte der 90er Jahre kennengelernt habe. Das Menschenrecht auf Gewissensfreiheit, den Militärdienst mit der Waffe verweigern zu können, ist für ihn ein unverzichtbares Menschenrecht gewesen, dem weltweit Anerkennung gebührt. Dort, wo es Menschen vorenthalten wird, herrschen Unrecht und Ungerechtigkeit, die es beide gewaltfrei zu bekämpfen gilt, via Aufklärung, selbständigem Denken und freiwilligem Engage- ment. Der - oft behaupteten – „ultima ratio“ staatlicher militärischer Gewaltanwendung setzte Demke den so schlichten wie überzeugenden Hinweis entgegen, dass jeder „ultima“ eine „prima“ Ratio vorausgehen müsse, die notwendig ziviler = gewaltloser Natur sei. Individueller und kollektiver Gewaltverzicht waren für ihn zwei Seiten einer Medaille, sich komplementär ergänzend wie ohne Rüs- tung leben und Abrüstung weltweit. Auch deshalb hat er die Anerkennung und Rehabilitierung der Wehrmachtdeserteure unterstützt und nach Kräften gefördert, nicht selten Ludwig Baumann bei dessen Aktivitäten in Berlin begleitet und ihm zugesprochen.

1998 wurde Christoph Demke zum Bundesvorsitzenden der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung (EAK) in der EKD gewählt. Bis 2006 engagierte er sich als deren Leiter vielfältig für das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung, den Zivildienst als sozialen Lerndienst auszugestalten und für zivile Bearbeitung von Konflikten. Nicht selten bedauerte er das kirchliche „Tauziehen“ zwischen Militärseelsorge und Seelsorge für Kriegsdienstverweigerer, dessen friedensethische Auswirkungen auch öffentlich wahrgenommen werden. Während Militärseelsorge infolge staatlicher Verträge Einnahmen erwirtschaftet, kostet Seelsorge an Kriegsdienstverweigerern EKD und Landeskirchen Geld. Ein Faktum, das wohl auch dazu beigetragen hat, Kirchen für die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 zu gewinnen.

Christoph Demke hat das Aussetzen der Militärdienstpflicht aus ganz anderen Gründen begrüßt: Zwang zu Militärdienst war ihm ein Greuel, daraus abgeleitete Dienste haben ihn befremdet.
Er war mir viele Jahre ein väterlicher Freund, kluger Ratgeber und ein theologischer Lehrer. Seine Impulse haben die jesuanischen Weisungen und Verheißungen für viele andere und mich wachgehalten. Er bleibt mir und uns in bester Erinnerung.

Günter Knebel, EAK-Geschäftsführer von 1982-2010