21.08.2021

Bischof Kramer fordert nach Afghanistan Konsequenzen

Dirk Löhr
epd

Erfurt (epd). Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, innenpolitische Konsequenzen gefordert. Auslandseinsätze der Bundeswehr dürften nur noch eine absolute Ausnahme sein, sagte Kramer dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt: „Übernahme von Verantwortung besteht nicht darin, dass man versucht, Demokratien in anderen Ländern zu installieren.“

Es sei deutlich geworden, dass eine starke Militärmacht wie die USA vieles unter der Decke halten könne. Aber das bilde nicht die realen und auch mentalen Wirklichkeiten ab. „Afghanistan zeigt, dass ein sogenanntes Nation-Building mit militärischen Mitteln nicht funktioniert“, sagte Kramer. Die Aussage, die Sicherheit Deutschlands werde am Hindukusch verteidigt, bezeichnete er als „schlicht falsch“. Die damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, habe mit ihren Worten „nichts ist gut in Afghanistan“ 2010 in der Dresdener Frauenkirche das Grundthema richtig benannt. Sie sei „auf erschütternde Weise“ bestätigt worden.

Der Bischof räumte ein, dass auch bei den evangelischen Christen die Themen Frieden und Konfliktbewältigung ohne Waffen zuletzt in den Hintergrund traten - auch, weil „in unserer Erregungsgesellschaft“ anderes nach vorn drängte. Für Christen hieße es jetzt, ihre Friedengebete zu verstärken. Das Thema dürfe nicht nur ein paar Friedensbewegte umtreiben. „Frieden ist unsere grundkirchliche Aufgabe und damit auch jeden Sonntag Thema im Gottesdienst“, erklärte Kramer. Er verwies darauf, dass die mitteldeutsche Synode zuletzt darüber diskutierte, wie sie eine Kirche des gerechten Friedens werden könne.

Kramer rechnet mit keiner größeren Flüchtlingswelle. Es werde auch eine Aufgabe der Kirche sein, „deutlich zu machen, dass wir unsere afghanischen Helfer jetzt unterstützen müssen“. Es stehe wohl außer Frage, dass vielen Gebildeten und Liberalen am Ende nur die Flucht bleibe. „Denen können wir die Tür nicht zuschlagen. Das ist gar nicht diskutierbar für mich“, unterstrich der Theologe.

Im innerdeutschen christlich-muslimischen Dialog warnte er davor, blauäugig sein. Aber es gehe nicht ohne Verständigung, ohne das Ausräumen gegenseitiger Verdächtigungen. Das gelte auch für den islamischen Religionsunterricht. „Ich halte ihn an den Schulen für sehr, sehr zielführend und unterstütze das Kooperationsmodell des Staates bei der Lehrerausbildung“, erklärte der Bischof.