20.04.2021

AGDF: Afghanistan-Einsatz muss wissenschaftlich evaluiert werden

Dieter Junker
AGDF

Angesichts des angekündigten Abzugs der NATO-Truppen aus Afghanistan hat die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) eine neutrale Auswertung dieses Einsatzes gefordert. „Eine Evaluation dieses langen und umfangreichen Militäreinsatzes und des von der Bundesregierung stark geförderten zivilen Engagements ist dringend nötig, um daraus für die Zukunft zu lernen“, betont AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister.

Nach der Ankündigung der USA, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen hatte auch die NATO beschlossen, das Ende ihres seit 2001 andauernden Einsatzes in Afghanistan zu beenden. Derzeit sind noch etwa 10.000 NATO-Soldaten in dem Land, darunter etwa 1100 Soldaten der Bundeswehr. 

„Der gerade auch von der Friedensbewegung lange geforderte Abzug steht nun fest, doch es ist völlig offen, was dieser militärische Einsatz wirklich gebracht hat“, kritisiert Jan Gildemeister. Dabei gehe es beispielsweise auch um die Frage, welche Erfolge durch den Rückzug der ausländischen Soldaten gefährdet sei, oder was sich verschlechtere, wenn die Taliban wie befürchtet weiter an Einfluss gewinnen würden, so der AGDF-Geschäftsführer.

Darum sei eine Evaluation zwingend erforderlich, ist der Friedensverband überzeugt. Und verweist dabei auch auf entsprechende Forderungen des Beirates der Bundesregierung „Zivile Krisenprävention und Friedensförderung“. „In dessen aktueller Stellungnahme zum Bericht der Bundesregierung über die Umsetzung der Leitlinien ,Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern´ wird angeregt, jedes internationale zivile, polizeiliche und militärische deutsche Krisenengagement wissenschaftlich zu evaluieren, um so Fehlentwicklungen vorzubeugen und Verbesserungsmöglichkeiten rasch identifizieren zu können“, so Jan Gildemeister. Dabei verweist der Beirat in seiner Stellungnahme explizit auf das Afghanistan-Engagement.

Jan Gildemeister betont aber auch, dass ebenso die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl, eine „kritische ehrliche und möglichst unabhängige Bilanz zum Einsatz in Afghanistan“ erwarte. Wie die Wehrbeauftragte dabei vorige Woche sagte, sei diese Analyse wichtig für alle weiteren Auslandseinsätze, damit aus Fehlern gelernt werden könne.

„Die Situation in dem Land ist unübersichtlich und komplex, schwarz-weiß-Bilder helfen da nicht, will man diese 20 Jahre richtig einschätzen und beurteilen“, macht der AGDF-Geschäftsführer deutlich. Dies könne eine neutrale wissenschaftliche Untersuchung leisten. „Dass die Bundesregierung offenbar weiterhin nur eine interministerielle Untersuchung will, lässt vermuten, dass die politisch Verantwortlichen offenbar Angst vor dem Ergebnis haben, da es wahrscheinlich zeigen dürfte, dass ihre Rechtfertigung der andauernden Verlängerung der Bundeswehreinsätze, wie zuletzt im März, sich bei nüchterner und neutraler Betrachtung als unehrlich erweisen könnte“, so Jan Gildemeister. Und für ihn ist klar: „Eins wurde in Afghanistan jedenfalls eindrucksvoll bestätigt: Militärinterventionen können keinen Frieden bringen.“