25.10.2021

1. Ökumenischer Friedensdialog in Osnabrück betont Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt

Dieter Junker
Evangelische Friedensarbeit
25.10.2021
Evangelische Friedensarbeit

Die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt und die Bedeutung religiöser Akteure für den Frieden, sie standen im Mittelpunkt des 1. Ökumenischen Friedensdialoges im Friedenssaal in Osnabrück, zu dem die Deutsche Kommission Justitia et Pax der Deutschen Bischofskonferenz und die Evangelische Friedensarbeit eingeladen hatten.

„Osnabrück ist ein historischer Ort und es ist der richtige Ort für einen solchen Dialog über den Friedensbeitrag der Religionen“, betonte der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Hier sei der Dreißigjährige Krieg beendet worden, der auch ein Religionskrieg gewesen sei. „Hier nahmen auch die Religionen ihre Verantwortung für den Frieden wahr und legten einen ersten wichtigen Grundstein für ein friedliches Miteinander“, so Bischof Wilmer.

Dies unterstrich auch Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Die Ökumene hat aus der Geschichte und einer auch oft grausamen Vergangenheit gelernt, wie wichtig religiöse Friedensimpulse sind. Nicht ohne Grund lautete die erste Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein!“

„Europa ist sicher ein gutes Beispiel dafür, wie religiöse Konflikte überwunden und zu einer friedlichen Entwicklung auf der Grundlage von Menschenrechten geführt haben“, war auch Professor Dr. Azza Karam, die Generalsekretärin von „Religions for Peace“, überzeugt. Und sie betonte in Osnabrück: „Wenn wir in Frieden leben möchten, dann müssen wir einander dienen wollen.“

Dabei sieht sich der Frieden in Europa und der Welt zahlreichen Herausforderungen gegenübergestellt, was auch für die Religionen von Bedeutung sei. „Fragen der Migration sind nicht geklärt. Hier ist die Stimme der Religionen wichtig“, meinte Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium. Und auch in Situationen, in denen wie jetzt in Afghanistan eine staatliche Zusammenarbeit nicht möglich sei, könnten die Kirchen und Religionen hier wichtige Funktionen für Kontakte und Hilfen spielen, so Karin Kortmann.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Friedensdialog in Osnabrück warnten allerdings davor, Erfahrungen aus Deutschland oder Europa kurzerhand auf andere Teile der Welt zu übertragen. „Wir haben hier unsere eigene Geschichte, was das Miteinander von Politik und Religion angeht. Doch das sieht in vielen Teilen der Welt ganz anders aus“, unterstrich Renke Brahms. Und Azza Karam mahnte die deutschen und europäischen Kirchen auch zu Selbstkritik, wonach die europäischen Normen einfach in der Welt übernommen werden könnten: „Multireligiöses Engagement muss auch die Denkweise verändern“, so die Professorin für Religion und Entwicklung an der Freien Universität Amsterdam.

Dass die Politik aber durchaus die Mitwirkung von Kirchen und Religionen wünsche, unterstrich Karin Kortmann. „Der Staat freut ich über eine kritische Solidarität und eine gute Wegbegleitung“, betonte sie beim Friedensdialog. Dazu gehörten auch Mahnungen, die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, die Rüstungsexporte zu begrenzen oder die Schöpfung zu erhalten. „Hier brauchen wir Organisationen, die die Politik auch fordern“, so die langjährige Bundestagsabgeordnete.

Um diese Friedensverantwortung der Religionen wahrzunehmen, bedarf es nach Ansicht der Dialogteilnehmerinnen und -teilnehmer aber auch der verstärkten Kooperation untereinander. „Es gibt schon viele Organisationen und eine gemeinsame Zusammenarbeit von Religionen“, betonte Azza Karam. Diese interreligiöse Kooperation müsse weitergehen und verstärkt werden, ist sie überzeugt. „Wir müssen die Ressourcen hier zusammentun, um gemeinsam zu arbeiten“, so die Generalsekretärin von „Religions for Peace“.

Darin unterstützte sie auch der EKD-Friedensbeauftragte nachdrücklich. „Es geht nicht darum, dass die Religionen hier mit einer Stimme reden müssten. Aber wir müssen hier noch stärker zusammenarbeiten. Die katholische Weltkirche, der Ökumenische Rat der Kirchen, die Religionsgemeinschaften, sie alle“, betonte Renke Brahms. Hier dürften die Kirchen und die Religionen nicht nachlassen in der ökumenischen Perspektive, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Dabei müsste auch die Rolle der Gewalt in den Religionen in den Blick genommen werden. „Es gibt in der Bibel Geschichten, aus denen Gewalt abgeleitet werden kann, aber auch die Gewaltlosigkeit. Und gerade diese müssen immer wieder entdeckt werden“, so Renke Brahms. Und Professorin Azza Karam warnte davor, nur auf religiöse Gewalt zu schauen. „Gewalt ist ein Kontinuum im Namen ganz unterschiedlicher Dinge. Gewalt in der Gesellschaft ist mittlerweile normalisiert, das darf man nicht reduzieren auf einen religiösen Kontext“, mahnte sie.

Es sei aber wichtig, dass die Staaten die Religionen als Teil der Gesellschaft akzeptieren würden, denn: „Sie sind wichtige Wegbereiter und Anwälte, aber auch Kooperationspartner“, unterstrich Karin Kortmann in Osnabrück. Und Azza Karam meinte, im Blick auf manche Religionen: „Davon müssen leider auch manche Religionsführer noch überzeugt werden.“ Renke Brahms, der EKD-Friedensbeauftragte, hofft jedenfalls mit Blick auf die neue Bundesregierung in Deutschland, dass auch seitens des Auswärtigen Amtes wie auch des Entwicklungshilfeministerium der Dialog mit den Religionen fortgeführt werde.

Osnabrück war der Auftakt. Doch es sollen weitere solcher Dialoge folgen, betonte Bischof Dr. Heiner Wilmer. Deutsche Kommission Justitia et Pax und Evangelische Friedensarbeit wollen jedenfalls künftig jährlich zu einem solchen Austausch einladen, im Wechsel in Osnabrück und in Münster, den beiden Orten, in denen Friedensgeschichte geschrieben wurde. „Und ich denke, dieser erste Friedensdialog hat gezeigt, dass davon wichtige und gute Impulse ausgehen können“, so der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms.