29.10.2020

Interreligiöse Versammlung zu "Frauen, Glaube und Diplomatie"

epd

Lindau (epd). Mit der friedensstiftenden Rolle von durch Glauben inspirierte Frauen beschäftigt sich eine internationale Versammlung im November in Lindau. Es ist die erste Zusammenkunft speziell zum Thema "Frauen, Glaube und Diplomatie", die von der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation "Religions for Peace" vom 10. bis 13. November veranstaltet wird. Thematisiert werden sollen insbesondere Erfahrungen von Frauen in Führungspositionen, die aktiv im Glauben und in der Diplomatie sind, wie die Geschäftsführerin von "Religions for Peace", Azza Karam, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Lindau sagte.

Die Versammlung findet unter strengen Corona-Regeln statt, weswegen der Großteil der Teilnehmenden virtuell dabeisein wird. Erwartet werden mehrere hundert Vertreter der Religionsgemeinschaften aus Zivilgesellschaft, Regierungen und Institutionen aus mehr als 60 Ländern. Gesteuert wird die Konferenz durch ein Kernteam, das in der Inselhalle in Lindau ein Studio mit Bühne betreibt. Aus diesem heraus sollen Vorträge, Diskussionen, Workshops und sogar Kaffeepausen gestreamt werden.

Laut Annette Schavan, Vorsitzende der Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft, werden Religionen und ihre Wirkung in Europa häufig unterschätzt. Bei vielen Bürgern sei der Eindruck vorherrschend, dass religiöse Deutungsmuster durch wissenschaftliche Deutungen ersetzt worden seien. Dies habe sich "als Irrtum erwiesen", sagte Schavan. "Heute wissen wir, wie hoch die Bedeutung der Religionen für den Frieden ist." Für alle Religionen sei es dabei von vitalem Interesse, sich für die Rolle der Frauen besonders zu interessieren.

Gerade in diesem "kritischen Augenblick der Geschichte" angesichts von Corona-Pandemie und Umweltzerstörung "erleben viele von uns, dass die politischen Führungspersonen oft anders handeln, als es unser Glaube uns sagt", sagte Karam. Es müsse neu gedacht werden, wie Führung aussehen kann - indem man betrachte, wie sich Inspiration durch Glauben speziell bei Frauen auf ihre Arbeit auswirke. Es gehe ums Dienen, sagte sie und nannte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein "großartiges Beispiel: Sie führt durch den Dienst an der Gesellschaft." 

Der Oberbürgermeisterin von Lindau, Claudia Alfons, zufolge geht von der Tagung das starke Signal aus: "Die Pandemie setzt uns zu, aber hält uns nicht davon ab, an den wichtigen Themen weiterzuarbeiten." Dazu gehöre auch die Sorge, dass in der Pandemie das berufliche und öffentliche Engagement besonders von Frauen leide.