27.08.2020

Evangelische Friedensarbeit: Neuer freiwilliger Wehrdienst ist ein Täuschungsmanöver zur Nachwuchsgewinnung

Dieter Junker
AGDF/EAK

Die Einführung des neuen, zwölfmonatigen freiwilligen Wehrdienstes bei der Bundeswehr, der am 1. September starten soll, ist bei der Evangelischen Friedensarbeit auf deutliche Kritik gestoßen. Für die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK) weckt die Bundeswehr den Eindruck, als ob ein neuer Freiwilligendienst geschaffen wird, während es eigentlich um eine verstärkte Rekrutierung von Minderjährigen in die Bundeswehr gehe.

„Was unter dem Deckmantel eines gemeinwohlorientierten Freiwilligendienstes daherkommt, ist ein neuer Versuch der Bundeswehr, junge Menschen für einen Dienst an der Waffe zu gewinnen“, macht Christine Busch, die AGDF-Vorsitzende klar. Mit den eigentlichen, zivilgesellschaftlich getragenen Freiwilligendiensten habe dieses neue Angebot nichts zu tun, betont sie nachdrücklich.

„Für den Heimatschutz braucht es keine Ausbildung an der Waffe. Für den Katastrophenschutz ist die Bundeswehr nur nachrangig bei Anforderung durch Länder oder Kommunen zuständig. Zudem fehlt den freiwilligen Wehrdienstleistenden die fachliche Expertise beispielsweise von THW oder dem Deutschen Roten Kreuz“, erklärt auch Wolfgang Buff, einer der Sprecher der EAK. Wer wirklich etwas für das Gemeinwohl tun wolle, der sollte sich lieber bei den echten Freiwilligendiensten wie das Freiwillige Soziale, Ökologische oder internationale Jahr engagieren, betonen AGDF und EAK.

Mit diesen Freiwilligendiensten habe der neue freiwillige Wehrdienst aber nichts zu tun, unterstreicht Christine Busch. „Er ist kein pädagogisch begleiteter Lerndienst, sondern eine verkürzte militärische Ausbildung zur Soldatin oder zum Soldaten. Und anstelle eines Taschengeldes wird ein ordentlicher Sold gezahlt werden“, erläutert die AGDF-Vorsitzende. Und sie meint weiter: „Dieses neue Angebot ist eigentlich nichts anderes als ein weiteres Täuschungsmanöver der Bundeswehr, um ihr Personalproblem zu reduzieren.“ Die AGDF wie auch die EAK befürchten, dass die Bundeswehr nun mit erheblichen Finanzmitteln insbesondere an Schulen oder Ausbildungsstäten für diesen freiwilligen Wehrdienst werbe, der sich an junge Menschen richte.

„Daher ist es nicht auszuschließen, dass sich gerade unter 18-Jährige für diesen freiwilligen Wehrdienst melden“, warnt Wolfgang Buff. Er verweist auf entsprechende Forderungen sowohl des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes wie auch der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, die einen sofortigen Stopp der Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr fordern.

„Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der unter 18-Jährigen bei der Bundeswehr wieder“, kritisiert Wolfgang Buff. Auch der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages habe in seinem jüngsten Bericht auf zahlreiche Missstände im Umgang mit Minderjährigen bei der Bundeswehr hingewiesen und zahlreiche Fälle von verbaler und physischer Gewalt geschildert. „Das zeigt doch, dass die Armee kein geeigneter Ort für Jugendliche ist, auch nicht für kurze Dienste im sogenannten Heimatschutz“, betont Wolfgang Buff. Er verweist auf die Kampagne „Unter 18 nie!“, zu der sich zehn Organisationen, darunter auch die EAK, zusammengeschlossen haben, um ein Verbot von Minderjährigen in der Bundeswehr zu erreichen. „Wir werden hier nicht nachlassen, um dieses Ziel zu erreichen“, so der EAK-Sprecher.