11.04.2020

Digitale Friedensdemos bei erstem virtuellen Ostermarsch

epd

Düsseldorf/Dortmund (epd). Mitglieder der Friedens-, Antiatomkraft- und Klimabewegung haben beim ersten "Virtuellen Ostermarsch" Fotos mit Forderungen, Friedenstauben, selbst gemachten Plakaten und Friedensfahnen ins Netz gestellt. Mehrer hundert Menschen hätten sich bereits beteiligt, sagte ein Sprecher des Ostermarsches Rhein-Ruhr dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag. Wegen des Versammlungsverbots in der Corona-Krise fanden die diesjährigen Ostermarsch-Proteste erstmals online statt. 

Auf Plakaten und Bildern im Netz hieß es unter anderem "Krieg ist nie die Lösung", "Für Frieden und Abrüstung - Die Nato abschaffen" oder "Wir brauchen keine nukleare Teilhabe - Weg mit den Bomben aus Deutschland". Auch auf die andauernde Corona-Pandemie gingen die Menschen ein: "Nicht nur in Corona-Zeiten: Weniger Militär und mehr Sozialausgaben", hieß es auf einem Schild und "Geld für Gesundheit statt für Rüstung". 

Die Ostermarschbewegung veröffentlichte zudem "ungehaltene Reden" des Ostermarsches Rhein-Ruhr, die sonst bei den Samstags-Etappen in NRW gehalten worden wären. Aus Bielefeld hieß es: "Wir fordern eine politische Entscheidung für atomare Abrüstung. Deutschland muss dem Atomwaffen-Verbotsvertrag beitreten". Aus Bonn meldete sich der Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, Alexander Neu und plädierte unter anderem "für die Demokratisierung der Außen- und Sicherheitspolitik." Am Ostersonntag und am Ostermontag wird der Online-Ostermarsch Rhein-Ruhr fortgesetzt.  

In der sechzigjährigen Geschichte der Ostermarschbewegung in Deutschland ist es das erste mal, dass Demonstrationen und Kundgebungen nicht auf der Straße stattfinden, sondern online und auf dem heimischen Balkon, im Garten, bei Spaziergängen oder mit selbst gemachten Bildern zu Frieden und Abrüstung an den Fensterscheiben. Das Motto des Ostermarsches Rhein-Ruhr 2020 lautet "Atomwaffen verbieten - Klima schützen statt aufrüsten - Nein zur EU-Armee!".

Auf einem Balkon am Niederrhein prangte auf einem Plakat der Text: "Wir brauchen neue Krankenhäuser statt neue Kampfjets - Kriegstreiber stoppen". Rüstungsgegner beim Ostermarsch Saar erklärten auf Bildern und Transparenten: "Abzug aller Truppen aus dem Ausland - Grenzen öffnen für Menschen - Grenzen schließen für Waffen." 

Für den Abend hatten Gruppen wie die Evangelische Friedensarbeit und der Ostermarsch Rhein-Ruhr einen Video-Stream mit Redebeiträgen und Musik organisiert. Zu den Rednerinnen gehören die Friedensnobelpreisträgerin Beatrice Fihn, die Netzaktivistin Katharina Nocum und der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms.

Der in Köln zunächst für Samstagnachmittag vorgesehene Osterspaziergang der Friedensbewegung konnte nicht auf der Straße stattfinden. Die Ordnungsbehörden in der Domstadt hatten kein grünes Licht für die Aktion gegeben. In Gronau hingegen versammelten sich bereits am Freitag etwa 20 Atomkraft-Gegener, um bei einer genehmigten "Ostermarsch-Mahnwache" gegen die dortige Urananreicherungsanlage zu protestiert.