04.05.2020

Bischof Wilmer fordert Alternativen zur atomaren Abschreckungspolitik

epd

Berlin (epd). Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Heiner Wilmer, hat Alternativen zur atomaren Abschreckungspolitik gefordert. "Es ist meine Erwartung, dass die Bundesregierung innerhalb der Nato einen Prozess anstößt, der ernsthaft nach Alternativen zur nuklearen Abschreckung sucht", sagte Wilmer am Montag in Berlin. Der Hildesheimer Bischof warnte zugleich vor deutschen Alleingängen. Damit bezog er sich auf eine Forderung des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Rolf Mützenich, alle US-Atomwaffen aus Deutschland abzuziehen. 

Zur Begründung hatte der SPD-Fraktionschef am Wochenende im "Tagesspiegel" vor allem auf die neue Nuklearstrategie von US-Präsident Donald Trump verwiesen. "Trumps Regierung hat verkündet, dass Atomwaffen nicht mehr nur der Abschreckung dienen, sondern Waffen sind, mit denen man Kriege führen kann", sagte Mützenich. "Das Eskalationsrisiko ist damit unüberschaubar geworden."

"Das Gute an den Aussagen von Herrn Mützenich ist, dass sie das weit verbreitete Vermeidungsverhalten im Umgang mit den Problemen der nuklearen Abschreckung durchbrechen und wichtige Fragen stellen", sagte der Vorsitzende von Justitia et Pax. Das Konfliktvermeidungsverhalten innerhalb der Nato komme in der Atomwaffenfrage an seine gefährlichen Grenzen. 

Justitia et Pax setzt sich weltweit für Frieden und Gerechtigkeit ein. Die Kommission wird von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen. 2019 hatte die Kommission ein Positionspapier "Die Ächtung der Atomwaffen als Beginn nuklearer Abrüstung" veröffentlicht, in dem sie die ethische Notwendigkeit der nuklearen Abrüstung betonte.