13.02.2020

Auch der Dialog mit Muslimen ist Friedensarbeit

Timo Lechner
epd

Nürnberg (epd). Das Thema ist ein Dauerbrenner: 2019 tagten die Synode der Evangelischen Landeskirche in Bayern und die der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema "Frieden". Am kommenden Dienstag (18. Februar) findet in Nürnberg ein Studientag zum Thema "Frieden konkret" statt. Im Mittelpunkt steht die EKD-Schrift "Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens". Referent Thomas Nauerth, Mitbegründer des seit 2019 bestehenden Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie, erklärt, wie beim Studientag die aktuelle kirchliche Friedensarbeit diskutiert werden soll.

epd: Herr Nauerth, wohin hat sich die "Friedensarbeit" in den vergangenen Jahren entwickelt?  

Nauerth: Eine schwierige Frage. Dazu müsste man einen umfassenden Überblick haben, den wohl niemand hat, auch weil man soziale Arbeit studieren kann, (noch) nicht aber "Friedensarbeit". Insofern gibt es auch kaum Forschung zu Friedensarbeit. Ein Punkt, der mir aufgefallen ist: Neben klassischen Protestformen und einer Professionalisierung in Richtung konstruktiver Konfliktbearbeitung sind in den letzten Jahren auch verstärkt Themen wie Solidarität und Dialog bearbeitet worden. Solidarität mit Flüchtlingen und Dialog mit Muslimen, auch Solidarität mit Muslimen, sind eine sehr konkrete innergesellschaftliche Friedensarbeit. Dies gilt auch dann, wenn sie gar nicht als Friedensarbeit bezeichnet wird und auch dann, wenn es den Akteuren vielleicht selbst nicht so klar ist, dass hier wichtige Friedensarbeit geleistet wird. 

epd: Derzeit haben Gruppen, die auf den Klimawandel hinweisen, eine starke Stimme in der Öffentlichkeit. Wie schafft man es, da noch mit dem Thema "Frieden" Gehör zu finden? Oder passt das am Ende doch alles gut zusammen?  

Nauerth: Es passt natürlich sehr gut zusammen. Es ist nur aufgrund knapper personeller Ressourcen und dadurch bedingter Konzentration auf bestimmte Themenfelder lange Zeit nicht ausreichend betont worden, dass ein umfassender Friede immer auch Friede mit unserer natürlichen Umwelt und Mitwelt bedeutet. Schon im konziliaren Prozess lautete das Ziel: "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung". "Fridays for Future" und andere Gruppen haben diesen Aspekt "Bewahrung der Schöpfung" jetzt kräftig nach vorne geschoben und können andererseits viel lernen von den Erfahrungen der Friedensbewegungen in Sachen gewaltfreie Aktion und Widerstand. Und, nicht zuletzt, verursacht das Militär extreme Umweltschäden. Allein aus ökologischen Gründen gehört es abgeschafft.

epd: Welche Impulse sollten von den Kirchen künftig ausgehen? 

Nauerth: "Machen wir die aktive Gewaltfreiheit zu unserem Lebensstil", so der Aufruf des Papstes 2017. Das wäre ein Impuls, der einen Unterschied machen könnte: wenn Kirchen zu Orten des Lernens in Sachen aktiver Gewaltfreiheit werden. Aktiv gewaltfrei, in tätiger Solidarität mit allen Menschen, und insbesondere den Armen und Ausgeschlossenen, wie der Papst nicht müde wird, zu betonen. In tätiger Solidarität mit allen Menschen, die für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung streiten und kämpfen.