30.01.2019

Zeitgeschichtliche Tagung nimmt Erfahrungen aus 50 Jahren christlicher Friedensarbeit in den Blick

Dieter Junker
AGDF

Die Friedensbewegung und die Friedensarbeit können in Deutschland auf eine lange und reiche Geschichte zurückblicken. Ging es direkt nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem um die Frage der deutschen Wiederbewaffnung und die atomare Rüstung, so gehörte auch früh schon die Rolle und der Bedeutung von Friedens- und Freiwiligendiensten, und damit die Alternativen zur militärischen Gewalt zu den Arbeitsfeldern von Friedensverbänden. 

In den 1980er Jahren erlebte die Friedensbewegung weltweit im Protest gegen die atomare Hochrüstung eine große Bedeutung, die Millionen von Menschen bewegte, in West wie in Ost. Große Friedensdemonstrationen mit Hundertausenden von Menschen in Hamburg, in Bonn, in Hasselbach bestimmten das Bild dieser Zeit in der alten Bundesrepublik. 

In der DDR waren es kirchliche Gruppen, die unter dem biblischen Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ Alternativen zu Rüstung und Militarisierung formulierten und schließlich zur Keimzelle der friedlichen Revolution 1989 wurden. Nach dem Ende des Kalten Krieges war es die Friedensbewegung, die eine zivile Konfliktbearbeitung und zivile Friedens- und Freiwilligendienste auf professionelle Füße stellte und gleichzeitig auch etablierte.

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), ein Dachverband von 31 Organisationen und Friedensgruppen, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Arbeitsprogrammen im In- und Ausland Friedensarbeit leisten, hat viele dieser Entwicklungen mitgeprägt und begleitet. Mit einer zeitgeschichtlichen Tagung am 28. und 29. März in Bonn will die AGDF 50 Jahre nach ihrer Gründung diese Geschichte im historischen Kontext ausgewählter Schwerpunkte näher beleuchten. Dabei sollen Erfahrungen und Eindrücke aus 50 Jahren christlicher Friedensarbeit nachvollzogen und reflektiert werden, es soll aber auch um die Frage gehen, was die Friedensbewegung aus dieser Geschichte für die Gegenwart und Zukunft lernen kann.

„Diese Tagung soll der Selbstvergewisserung und der Überprüfung dienen, wobei sich die AGDF eine Inspiration für das heutige Friedens- und ökumenische Engagement erhofft“, so AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister und Jan Stehn, der die Jubiläumsveranstaltungen der AGDF koordiniert. Und beide betonen: „Wir laden alle ein, sich anregen zu lassen von den Erfahrungen von Akteuren aus fünf Jahrzehnten und dem reflektierenden Blick von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu einer spannenden Auswahl von Themen und Fragestellungen.“

Die Tagung in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, wo auch das AGDF-Archiv untergebracht ist, beginnt am Donnerstag, 28. März, um 14 Uhr mit einem fokussierten Überblick über die Geschichte der AGDF von Jannis Gebken vom Vorstand ICJA Freiwilligenaustausch weltweit.

Im Anschluss daran gibt es drei Arbeitsgruppen. In der ersten Arbeitsgruppe wird es Gespräche von Dr. Dagmar Pruin von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste mit AGDF-Gründungsmitgliedern geben. Die zweite Arbeitsgruppe wirft den Fokus auf die Zeit der Friedensbewegung in den 1980er Jahren, als die AGDF maßgeblich an den damaligen Protesten gegen die NATO-Nachrüstung beteiligt war. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie die Erfahrungen aus dieser Zeit in Bezug gesetzt werden können zum heutigen Widerstand gegen Atomwaffen. Gesprächsteilnehmer hier sind der Journalist Andreas Zumach, Wolfgang Schlupp-Hauck von der Pressehütte Mutlangen und Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative. In der dritten Arbeitsgruppe geht es um zivile Konfliktbearbeitung, die sich ab den 1990er Jahren etablierte. Dabei wird es darum gehen, wie es dazu kam. Gesprächspartner hier sind Bernd Rieche von der AGDF und Dr. Reinhard J. Voß vom Vorstand des Christlichen Friedensdienstes EIRENE.

Am zweiten Tag sind wiederum drei Arbeitsgruppen geplant. In der ersten geht es dabei um die christliche Friedensarbeit in der DDR und in der Zeit nach 1989. Hier gibt es zunächst einen Überblick durch den Soziologen Dr. Alexander Leistner, im anschließenden Zeitzeugen-Gespräch wird dies durch persönliche Erfahrungen vertieft. Gesprächsteilnehmerin und -teilnehmer sind hier Christof Starke vom Friedenskreis Halle und Professor Dr. Claudia Lepp von der Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte.

Eine zweite Arbeitsgruppe „Friedensbewegung zwischen Politik und Glaube, Ultima Ratio und Pazifismus“ fragt nach den Wechselwirkungen und dem Einfluss von Kirche und Spiritualität auf die Friedensbewegung. Gesprächspartnerinnen hier sind Dr. Sarah Jäger von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) und Antje Heider-Rottwilm von Church and Peace. In der dritten Arbeitsgruppe geht es um die Entwicklung der Freiwilligen- und Friedensdienste in den vergangenen 50 Jahren, die ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt der AGDF waren und sind. Referenten hier sind AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister und Dr. Reinhard J. Voß von EIRENE. Die Tagung endet am Freitag, 29. März, um 12.30 Uhr.

Bei dieser zeitgeschichtlichen Tagung in Bonn kooperiert die AGDF mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte, der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, dem Institut für soziale Bewegungen und dem Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung.

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