27.11.2019

Weltweit rund 250.000 Kindersoldaten

epd

Berlin (epd). Weltweit sind nach Angaben von Kinder- und Menschenrechtsorganisationen rund 250.000 Mädchen und Jungen als Kindersoldaten im Einsatz. Schwerpunktländer sind laut dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten "Schattenbericht Kindersoldaten 2019" unter anderem der Südsudan, Kongo, Somalia, die Zentralafrikanische Republik, Kolumbien und Myanmar. Aber auch die USA, Großbritannien und Deutschland rekrutierten in großer Zahl unter 18-Jährige als Soldatinnen oder Soldaten, kritisierte das Deutsche Bündnis Kindersoldaten bei der Vorstellung.

Dem Bündnis gehören 19 Organisationen an, darunter die Kindernothilfe, terre des hommes Deutschland, World Vision Deutschland, das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes und die katholische Friedensorganisation Pax Christi. Seit 2002 gibt es ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention, das den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. In über 150 Ländern wird es bislang umgesetzt.

Der Kinderrechtsexperte von terre des hommes, Ralf Willinger, sprach am Mittwoch von einer schlechten Vorbildwirkung der drei Industrieländer, die damit den internationalen Straight 18-Standard, die Anhebung des Rekrutierungsalters auf 18 Jahre, schwächen würden. Bewaffnete Gruppen und Armeen in Konfliktländern wie Myanmar, Somalia oder Syrien rechtfertigten die Rekrutierung von Minderjährigen mit Verweis auf minderjährige Soldaten in diesen drei westlichen Ländern.

Nach seinen Angaben waren schätzungsweise zehn Prozent der neueingestellten Rekruten in der Bundeswehr 2018 minderjährig. Seit Ende der Wehrpflicht 2011 seien die Zahlen angestiegen. Konkret seien im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik 1.679 Minderjährige rekrutiert worden. Bisheriger Höchststand sei 2017 mit 2.128 minderjährigen Rekruten gewesen.

"15 Jahre nach der Ratifizierung des Zusatzprotokolls ist die deutsche Bilanz angesichts der Auswirkungen von Rekrutierung auf die betroffenen Kinder katastrophal", sagte Willinger. Die zentralen Empfehlungen des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes würden immer noch nicht umgesetzt - "im Gegenteil, die Situation hat sich weiter verschlechtert", sagte Willinger.

Aber auch außerhalb der eigenen Grenzen betreibt Deutschland demnach durch Waffenexporte auf diesem Gebiet eine unverantwortliche Politik. "Kinder müssen in vielen Ländern mit deutschen Waffen kämpfen oder fallen diesen zum Opfer", kritisierte Frank Mischo von der Kindernothilfe. Dazu gehörten Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Brasilien, die Philippinen oder Indien.

Ralf Willinger kritisierte zudem Defizite beim Schutz geflüchteter Kindersoldaten aus Kriegsländern wie Afghanistan oder Somalia. So habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ehemaligen Kindersoldaten aus Somalia mehrfach die Anerkennung als Flüchtling mit dem Argument verweigert, in Somalia sei jedes Kind von Rekrutierung bedroht, deshalb handele es sich nicht um individuelle Verfolgung. "Ein unzulässiges Argument, denn damit wird die besonders hohe Bedrohungslage den Kindern zum Nachteil ausgelegt", kritisierte er. Der "Schattenbericht Kindersoldaten" wurde nach 2007 und 2013 zum dritten Mal veröffentlicht.