04.03.2019

„...und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen“

Dieter Junker
AGDF

Das Buch des Propheten Jesaja in der Bibel beschreibt eine neue Welt, in der die Menschen in Frieden leben, weil Gewalt und Krieg an ein Ende gekommen sind. Es ist eine Vision, die die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) dazu angeregt hat, beim diesjährigen „Heidelberger Gespräch“ am 8. und 9. März in Frankfurt/Main die Chancen und Schritte gewaltfreien Handelns zu diskutieren. Das Thema lautet: „… und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ – Möglichkeiten und Herausforderungen gewaltfreier Konfliktbearbeitung. 

„Wir wollen uns dabei unter drei Perspektiven diesem Thema nähern“, erläutern AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister und Dr. Sarah Jäger von der FEST. Dazu gehören die Berichte grundlegender Beispiele gewaltfreier Intervention im Alten Testament, das Vertrauen als eine entscheidende Kraftquelle für gewaltfreie Konfliktbearbeitung und der gewaltfreie Widerstand als eine bewährte politische Handlungsform. 

Im Mittelpunkt der Tagung in den Hoffmann´s Höfen in Frankfurt stehen dabei mehrere Beispiele, wie eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung in Kindergärten und Schulen eingeübt wird, wie bei internationalen Projekten in Mali, Bosnien und Kroatien Formen gewaltfreier Konfliktbearbeitung zum Einsatz kommen, die vollkommen ohne militärische Begleitung stattfinden. Und schließlich werden auch erste Ergebnisse des Prozesses der Evangelischen Kirche in Baden auf dem Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens vorgestellt. „Gewaltfreie Formen des Umganges mit Konflikten sind bewährt, aber nicht selbstverständlich. Sie brauchen Förderung und Vermittlung“, so Jan Gildemeister und Sarah Jäger. 

Das „Heidelberger Gespräch“ beginnt am Freitag, 8. März, um 13.30 Uhr mit einem geistlichen Impuls und einer Einführung ins Thema. Im Anschluss daran gibt es die Vorträge „Die Wankenden aber gürten sich mit Kraft – Aktive Gewaltfreiheit im Alten Testament“ von Professor Dr. Thomas Nauerth (Bielefeld) und „Vertrauen als Ressource zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung“ von Dr. Pascal Delhom (Flensburg). Nach dem Abendessen werden der badische Friedensbeauftragte Stefan Maaß (Karlsruhe) und Dr. Vinzenzo Petracca (Heidelberg) eine Bilanz des Prozesses in der Evangelischen Kirche in Baden vorstellen.

Der zweite Tag, 9. März, startet um 9.30 Uhr mit einem Workshop mit Dr. Wolfgang Heinrich (Bad Herrenalb) zu „Gewaltfreie Konfliktbearbeitung und gewaltfreier Widerstand als politische Handlungsformen“, im Anschluss daran stellen der Friedenskreis Halle und das Fränkische Bildungswerk für Friedensarbeit Nürnberg die Praxis einer gewaltfreien Konfliktbearbeitung in Kindergärten und Schulen vor. Nach dem Mittagessen werden Projekte aus Mali, Bosnien und Kroatien vorgestellt. Referentinnen sind hier Dr. Anthea Bethge von EIRENE Neuwied und Dr. Ana Marija Raffai aus Zagreb. Das „Heidelberger Gespräch“ schließt um 13.55 Uhr mit einem Impuls des Präsidenten des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes, Ulrich Hahn, zum Lukas-Evangelium und der Vergewisserung aus Sicht eines christlichen Pazifismus. 

Bei den „Heidelberger Gesprächen“ kommen seit den 1970er Jahren einmal im Jahr in der Regel in Heidelberg Friedenspraktiker/innen und Friedensforscher/innen zum Austausch zusammen. Die Veranstaltungsreihe wird von der AGDF und FEST gemeinsam getragen. In diesem Jahr versteht sich die Veranstaltung auch als Beitrag zum Vorbereitungsprozess hin zur EKD-Friedenssynode im November 2019 in Dresden.