28.01.2019

Rink: Militärimame als wichtiges Zeichen für Vielfalt der Bundeswehr

epd

Frankfurt a.M./Köln (epd). Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink hat sich dafür ausgesprochen, organisatorische Hürden für den Einsatz von muslimischen und jüdischen Militärseelsorgern abzubauen. "Militärimame und Militärrabbiner einzusetzen wäre ein wichtiges Zeichen, das die Pluralität in der Bundeswehr widerspiegelt", sagte Rink dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hatte in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) ehrenamtliche Seelsorger für muslimische Bundeswehrsoldaten gefordert. Diese sollten analog zu katholischen und evangelischen Militärgeistlichen den Soldaten Beistand leisten. 

Der Wehrbeauftragte verlangte eine baldige Entscheidung: Das Verteidigungsministerium prüfe dieses Thema nun seit sieben Jahren, sagte er. Aktuell gibt es nach Auskunft des Ministeriums vom Montag Gespräche mit der Deutschen Islamkonferenz, in denen Bedarf und Voraussetzung für die Einführung einer muslimischen Militärseelsorge abgestimmt würden. "Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen", sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. 2015 sei bereits für die Soldaten anderer Glaubensrichtungen eine Ansprechstelle beim Zentrum Innere Führung in Koblenz eingerichtet worden. 

Bei der Bundeswehr gibt es dem Zeitungsbericht zufolge etwa 1.500 Muslime. Für hauptamtliche Militär-Imame ist nach Ansicht von Bartels die Zahl zu gering, zumal die muslimischen Soldaten über viele Standorte verteilt seien. Aufgrund der unterschiedlichen muslimischen Glaubensrichtungen wäre es sehr gut, mehrere muslimische Seelsorger zu ernennen, die gegebenenfalls auch nebenamtlich Dienst tun könnten, sagte Bartels. 

Rink zeigte sich weniger überzeugt von dem Vorschlag, ehrenamtliche Seelsorger einzustellen: "Ich glaube nicht, dass sich diese Aufgabe als Ehrenamt eignet", sagte er und regte an, dass größere Bundeswehrstandorte wie Munster, Wilhelmshaven oder Augustdorf Kooperationen mit vertrauenswürdigen Moscheegemeinden vor Ort aufbauen könnten, deren Imame nebenamtlich als Militärseelsorger arbeiten. Es sei auch denkbar, an den vier Dekanaten der Militärseelsorge in Kiel, Köln, Berlin und München muslimische Seelsorger anzustellen, die jeweils für eine Region zuständig seien.

Bislang vertrauen sich betroffene Soldaten oft den christlichen Seelsorgern an. "Es geht um Lebensbegleitung, aktives Zuhören, ein offenes Ohr", sagte Rink. "Militärseelsorge ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Es geht um Leben, Tod, Schuld, Einsamkeit." Laut Rink müssten muslimische Seelsorger eine entsprechende Qualifizierung haben, etwa einen Studienabschluss in Islamischer Theologie und eine Zusatzausbildung als Militärseelsorger.

Der Islamtheologe Rauf Ceylan sprach sich ebenfalls dafür aus, übergangsweise mit Konstrukten zu arbeiten, bis die muslimischen Dachverbände kirchenähnliche Strukturen in Deutschland aufgebaut hätten. Dass es strukturelle Defizite gebe, die eine flächendeckende Einführung von Militärimamen verhinderten, sei nicht überraschend, sagte Ceylan am Montag dem epd. Bislang sind Islamverbände in den einzelnen Bundesländern kaum als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Ceylan forderte, projektbasiert zu arbeiten und in einem Modellprojekt muslimische Seelsorger einzusetzen. 

Ceylan sagte, er sehe bei der Militärseelsorge Potenzial für interreligiöse Zusammenarbeit. Wer als Seelsorger oder Imam arbeiten wolle, brauche aber häufig noch eine zusätzliche praktische Ausbildung - ähnlich eines Vikariats oder Priesterseminars. Im Bereich Seelsorge könne man sehr gut mit christlichen Theologen zusammenarbeiten. Die Themen Sterben, Tod, Verletzung und Schuld seien dieselben, die theologischen Begründungen seien nur anders. "Das ist eine gute Gelegenheit für interreligiöse Kooperation", sagte der Osnabrücker Islamtheologe. Zudem brauche es dringend mehr Berufsmöglichkeiten für islamische Theologen, die jetzt ihren Studienabschluss machen.