26.03.2019

Kirche muss den Frieden in die Gesellschaft tragen

epd

Lindau (epd). Ein Polizist, ein Bundeswehroffizier, ein Journalist und eine Friedensexpertin - aus verschiedene Perspektiven hat die in Lindau tagende Landessynode am Dienstag ihr Schwerpunktthema "Christus ist unser Friede" beleuchtet. In einem Impulsreferat vor dem Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischer Protestanten rief die Friedensexpertin Martina Basso (Berlin) die Kirchen auf, sich auf allen Ebenen für den Frieden einzusetzen. Kirche sei dazu berufen "Friedenskirche" zu sein, sagte die Leiterin des Berliner Friedenszentrums der Mennoniten. Kirche müsse in der Gesellschaft den Frieden exemplarisch leben. Gerechter Friede bedeute dabei nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, betonte Basso. Dazu gehöre auch, Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchzusetzen. Damit sei soziale Gerechtigkeit ebenso gemeint wie Rechtsstaatlichkeit oder die Achtung der Menschenrechte. 

Die große Bedeutung von kleinen Gesten in der Polizeiarbeit hob Polizeioberrat Bernd Bürger hervor. Ein Lächeln der Polizisten oder ein Gespräch könnten bei Demonstrationen zu Entspannung und Deeskalation führen. Außerdem versuchten die Polizisten bei Demonstrationen, schnelle Bewegungen oder Laufschritt zu vermeiden, weil das zu Verunsicherung bei den Demonstranten führen könne. Bei den Demonstrationsteilnehmern warb der Polizeioberrat um Vertrauen und Verständnis für die Arbeit der Beamten, um so zu einem friedlichen Verlauf beizutragen. Mit großem Beifall nahm das Kirchenparlament den Appell des Synodalen Werner Reuß auf, den Dienst der Polizistinnen und Polizisten wertzuschätzen, den "sie Tag und Nacht und rund um die Uhr tun, damit wir alle sicher leben".  

Oberstleutnant Matthias Meierhuber erklärte, dass ein militärischer Einsatz gerechtfertigt sei, wenn dadurch ein Völkermord oder die Vertreibung von Menschen verhindert werden könne. Es gebe Situationen, in denen eine Gewaltspirale gestoppt werden müsse. Militärisches Handeln dürfe jedoch immer nur die letzte Möglichkeit sein. Nach Kampfeinsätzen im Ausland sei es für die Soldaten oft schwierig in ein Land zurückzukehren, das in völligem Frieden lebe, sagte der Oberstleutnant, der selbst in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war.

Der Journalist Jan Fleischhauer wandte sich dagegen, medial auf Menschen einzutreten, die bereits am Boden liegen. Im Journalismus komme es immer häufiger zu einer "Rudelbildung", beklagte der "Spiegel"-Kolumnist. Dabei sei es gerade die Aufgabe des Journalismus, Positionen Gehör zu verschaffen, die medial unterrepräsentiert sind. Auch Parteien, die als ganzes abgelehnt werden, könnten Positionen haben, die Beachtung verdienten.

Das Schwerpunktthema schloss die Synode mit einem Friedensgebet ab. Die Tagung war überschattet von dem plötzlichen Tod des Synodalen Johannes Taig. Der Hofer Pfarrer war am Montag gestorben.