07.12.2019

Käßmann fordert mehr Friedensengagement von Deutschland

epd

Kassel (epd). Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die Bundesregierung zu mehr Engagement für den Frieden aufgerufen. Wenn heute von mehr internationaler Verantwortung die Rede sei, könne es nicht um mehr militärische Verantwortung, sondern allein um mehr Friedensverantwortung gehen, sagte die ehemaliger Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland laut Redemanuskript zum Auftakt des 26. internationalen Friedensratschlags am Samstag in Kassel. Zugleich wies Käßmann die Forderungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump zurück, die Nato-Mitgliedsstaaten sollten ihre Militärausgaben auf jeweils zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung erhöhen. Mehr Rüstung bringe nicht mehr Frieden, sondern mache den Krieg wahrscheinlicher, sagte sie.

Käßmann, die sich dazu bekannte, Mitglied der pazifistischen Organisation "Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner" zu sein, wies darauf hin, dass im Zeitalter von Drohnen und Massenvernichtungswaffen niemand mehr Krieg als ein Werkzeug Gottes sehen könne. Der Kriegstaumel von Sunniten und Schiiten, die zum angeblich "heiligen Krieg" aufriefen, erinnere erschreckend an den Dreißigjährigen Krieg in Europa, sagte sie. Der Name Gottes werde missbraucht, um eigene Vorstellungen durchzusetzen. Krieg zerstöre nicht nur Städte und verwüste Felder, er präge die Kinder, Enkel und Urenkel der Täter und der Opfer.

Käßmann kritisierte zudem scharf die deutschen Rüstungsexporte. "Wir können nicht die Kriege dieser Welt beklagen und gleichzeitig an ihnen verdienen", gab sie zu bedenken. Aufgabe aller Religionen sei es, die Menschen zum Frieden zu rufen. Dass die Worte Jesu von der Feindesliebe eine ungeheure Wirkung entfalten können, erlebe sie auch heute noch, sagte sie. "Sie werden belacht, sie regen Menschen auf, sie erzeugen Widerspruch - aber sie lassen nicht kalt".

Auf dem bis Sonntagmittag dauernden 26. Friedensratschlag treffen sich seit 1994 jährlich Teilnehmer von etwa 150 Friedensinitiativen und Organisationen, die sich einer Politik für den Frieden verpflichtet sehen. Das Treffen wird vom Bundesausschuss Friedensratschlag veranstaltet und versteht sich als Konferenz mit Referenten aus Wissenschaft und Politik sowie friedenspolitisch Aktiven.