09.03.2019

Göttinger Friedenspreis für "Jüdische Stimme"

epd

Göttingen (epd). Unter großem Medienandrang und begleitet von Protesten ist der Göttinger Friedenspreis 2019 am Samstag an den Verein "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" vergeben worden. Durch seine Publikationen trage der Verein dazu bei, dass mehr Informationen aus den palästinensischen Gebieten an die deutsche Öffentlichkeit gelangten, sagte die deutsch-israelische Sängerin und Schauspielerin Nirit Sommerfeld in ihrer Laudatio vor mehr als 400 Zuhörern in Göttingen.

Die "Jüdische Stimme" rede "Tacheles über das, was zwischen Mittelmeer und Jordan passiert", sagte Sommerfeld. Mit mehr Fakten im Hintergrund könnten Politik und Gesellschaft in Deutschland auf die Regierung in Israel einwirken und zu einer friedlichen und gerechten Lösung beitragen. 

Vor dem Gebäude demonstrierten mehrere Dutzend Menschen gegen den Preisträger. Die Vergabe des Göttinger Friedenspreises war schon vorab heftig umstritten. Unter anderen hatten der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, den Verein als antisemitisch kritisiert und das mit seiner Nähe zur Boykott-Kampagne BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) gegen Israel begründet. Ein "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" hatte eine Neubesetzung der Preisjury gefordert und zu einer Kundgebung gegen die Preisverleihung aufgerufen.

Wegen der Vorwürfe zogen die Universität, die Stadt und die Sparkasse in Göttingen ihre Unterstützung für die Preisverleihung zurück. Die Verleihfeier konnte deshalb nicht wie sonst in der Aula der Hochschule stattfinden. Sie wurde in einer privaten Galerie veranstaltet. Wegen des großen öffentlichen Interesses wurde die Feier in zwei weitere Gebäude übertragen. 

Sommerfeld wies den Antisemitismusvorwurf gegen die "Jüdische Stimme" zurück. Der Verein distanziere sich in seinem Manifest "eindeutig von jeder Form von Gewalt, von Antisemitismus, Anti-Islamismus und jeder anderen Form von Rassismus".

Die Vorsitzende der "Jüdischen Stimme", Iris Hefets, bezeichnete es als "große Ehre, einen Friedenspreis zu erhalten. "Wir sind wahrscheinlich der einzige Preisträger, der sich bei der Benachrichtigung über die Preisverleihung sehr freute, gleichzeitig aber schon wusste, dass er sich warm anziehen muss", betonte Hefets. Sie hätten aber auch viel Unterstützung und Anerkennung erfahren: "Wir wurden nicht allein gelassen und wissen das sehr zu schätzen."

Der Vorsitzende der Stiftung Dr. Roland Röhl, Hans-Jörg Röhl, dankte den Inhabern der Galerie, dass sie dem Friedenspreis "Asyl" gewährt hätten: "Schneiden Sie von Ihrer Zivilcourage ein paar Scheiben ab und verteilen Sie sie in der Stadt", sagte er. "Das wird ihr guttun." Die Stiftung vergibt den Göttinger Friedenspreis seit 1999.