17.09.2019

Fast 50 Tote bei zwei Anschlägen in Afghanistan

epd

Dubai/Kabul (epd). Kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan haben die Taliban bei zwei Selbstmordattentaten mindestens 48 Menschen getötet. Bei einem Angriff auf eine Wahlkampfveranstaltung von Afghanistans Präsident Aschraf Ghani am Dienstag kamen mindestens 26 Menschen ums Leben, wie der TV-Sender Tolo News berichtete. Präsident Ghani blieb unverletzt. Doch mindestens 42 Menschen erlitten Verletzungen, als ein Selbstmordattentäter in der Parwan-Provinz, nördlich der Hauptstadt Kabul, auf einem Motorrad eine Bombe am Eingang des Veranstaltungsortes zündete.

Wenig später wurden bei einem weiteren Selbstmordattentat nahe der US-Botschaft in Kabul mindestens 22 Menschen getötet. Weitere etwa 38 Menschen wurden verletzt bei dem Angriff am belebten Massud-Platz im Zentrum von Kabul. Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder. Die Taliban bekannten sich zu beiden Anschlägen. 

Präsident Ghani erklärte, mit den Attentaten zeigten die Taliban erneut, dass sie weder Frieden noch Stabilität in Afghanistan wollten. Die UN-Mission für Afghanistan (Unama) kritisierte die Anschläge als "verachtenswürdige Missachtung ziviler Lebens". 

Die Präsidentschaftswahl ist für den 29. September geplant. Der 70-jährige Ghani gilt als Favorit. Doch Wahlkampfzeiten sind in Afghanistan seit Jahren von Gewalt und Korruption geprägt. Auch diesmal haben die Taliban angekündigt, die Abstimmung zu stören und Anschläge auf Wahllokale zu verüben. 

Eine Aufstellung des britischen Nachrichtensenders BBC zeichnet ein verheerendes Bild der Situation in Afghanistan: Demnach sind allein im Monat August 473 Zivilisten getötet worden. Bei 611 Vorfällen starben insgesamt 2.307 Menschen - die Mehrzahl der Todesopfer waren Taliban-Kämpfer oder Sicherheitspersonal, doch Zivilisten machten ein Fünftel der im Konflikt Getöteten aus. 

Vor gut zwei Wochen waren Verhandlungen zwischen den aufständischen Taliban und den USA über ein mögliches Friedensabkommen gescheitert, das ein Ende des fast 18 Jahre dauernden Konflikts einleiten sollte. Damit steht das Land kurz vor dem Präsidentschaftswahlen vor einer ungewissen Zukunft.