09.11.2019

EAK: Bundesregierung muss endlich auch zivile Dienste mehr würdigen

Dieter Junker
EAK

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK) hat anlässlich zahlreicher Veranstaltungen zum 64. Gründungstag der Bundeswehr die Bundesregierung aufgefordert, mehr für die öffentliche Anerkennung und Wertschätzung von Friedens- und Freiwilligendiensten zu tun, ebenso aber auch für Menschen, die aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe ablehnen und dafür bis heute Nachteile in Kauf nehmen müssen.

„Es ist schwer zu verstehen, warum von Ministern immer wieder eine fehlende Anerkennung von Soldatinnen und Soldaten beklagt und der Gründungstag der Bundeswehr mit zahlreichen Veranstaltungen groß gefeiert wird, die gleiche Bundesregierung aber nichts unternimmt, um zivile Dienste und diejenigen, die mit einem zivilen Engagement Friedensarbeit leisten, für ihre Arbeit zu würdigen“, kritisiert Lutz Krügener, einer der beiden Sprecher der EAK. Dies sei zuletzt erst wieder geschehen, als die Bundesregierung Freifahrten für Soldatinnen und Soldaten in Uniform bei der Deutschen Bahn ermöglichte. „Eine Gleichbehandlung für Freiwilligendienste hat hier für die Bundesregierung dagegen keine Rolle gespielt“, mahnt Krügener, der auch Friedensbeauftragter der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ist.

„Es ist gut, dass wir schon lange keine Gesellschaft mehr sind, die mit wehenden Fahnen das Militär bejubelt, sondern militärischen Einsätzen eher kritisch gegenübersteht“, meint dazu Detlev Besier. Dies habe historische Gründe, aber es spiele sicher auch die Erkenntnis eine Rolle, dass Krieg und Militär für keinen Konflikt der Welt eine Lösung seien, so das EAK-Vorstandsmitglied. Detlev Besier ist Friedenspfarrer der Protestantischen Kirche der Pfalz. 

Und er fügt hinzu: „Mindestens aus Sicht von Kriegsdienstverweigerern, die während ihres aktiven Dienstes in der Bundeswehr verweigern, aber nicht zuletzt auch im Blick auf diejenigen, die vorher verweigert haben und dafür oft genug Nachteile in der Gesellschaft in Kauf nehmen mussten, muss eine solche Forderung nach einer öffentlichen Anerkennung und Wertschätzung von Soldatinnen und Soldaten wie Hohn vorkommen.“ 50 Jahre lang hätten mehr als zweieinhalb Millionen Zivildienstleistende bis 2011 in mehr als 37.000 Einrichtungen ihren Dienst abgeleistet und wichtige Aufgaben für die Gesellschaft übernommen. „Aber erst 1985 hat ein Bundeskanzler erstmals Zivildienstleistende besucht. Und wie oft mussten sie sich anhören, sie seien Drückeberger. Oder wurde der Dienst in der Bundeswehr von der Bundesregierung als wichtiger betrachtet“, meint Detlev Besier. Hier würden viele auf ein Bedauern seitens der Bundesregierung warten, ist er überzeugt. Und wenn heute Soldatinnen oder Soldaten im Dienst aus Gewissensgründen ihr Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung wahrnehmen würden, bekämen sie von der Bundeswehr Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg gelegt, kritisiert Besier.

Die neue Bundesverteidigungsministerin und CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte im Deutschen Bundestag bei ihrer Vereidigung gefordert, in diesem Jahr am 12. November, dem Tag, an dem die Bundeswehr vor 64 Jahren gegründet wurde, zahlreiche öffentliche Gelöbnisse zu feiern, als starkes Signal und Zeichen der Anerkennung für Soldatinnen und Soldaten. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums gibt es am 12. November sechs Öffentliche Gelöbnisse, darunter auch am Reichstag in Berlin, sowie zwei Benefizkonzerte sowie eine Fahnenbandverleihung.