22.08.2019

"Dialog ist die schöne Alternative zu Gewalt"

Leonie Mielke
epd

Lindau (epd). Treffen von Christinnen und Muslima und gegenseitige Besuche in den Kirchen und Moscheen - das sind die Angebote des Projekts "Women of Faith Peacebuilding Network" in Nigeria. "Dialog ist die schöne Alternative zu Gewalt", findet die Gründerin des Projekts, die katholische Schwester Agatha Chikelue aus der nigerianischen Hauptstadt Abuja.

Sie begann, über den Bau von Brücken zwischen Christen und Muslimen nachzudenken, als die islamistische Terrororganisation "Boko Haram" vor mehr als zehn Jahren zu erstarken begann. Die Terroristen lehnen westliche Bildung ab und vertrieben oder ermordeten Christen sowie Muslime, die sie nicht unterstützten. Schwester Agatha sagt, dass die Menschen Hand in Hand arbeiten müssten um Frieden in dem halb muslimisch, halb christlich geprägten Land zu erreichen.

Sie suchte Mitstreiter und Unterstützer, darunter sind heute der Erzbischof von Abuja, Kardinal John Onaiyekan, und der nigerianische Sultan Muhammad Sa'ad Abubakar. 2011 startete das Projekt. Die Teilnehmerinnen feiern beispielsweise gemeinsam religiöse Feste oder diskutieren über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam. Schwester Agatha schätzt, dass sie mit dem Projekt bislang 1.000 bis 2.000 Frauen erreicht haben.

Derzeit ist die hochgewachsene Nonne mit Pumps auf der 10. Weltversammlung der interreligiösen Organisation "Religions for Peace" (Religionen für den Frieden) in Lindau. Mehr als 900 religiöse Führer aus aller Welt beraten noch bis Freitag über die Lösung aktueller Konflikte. Auf der Konferenz will Schwester Agatha von anderen lernen. "Frauen auf anderen Kontinenten haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, sei es die Entschärfung von gewalttätigen Konflikten oder Umweltproblemen", erläutert die Schwester. Ihre Aufgabe sei es, deren Wissen und Erfahrungen an die nigerianischen Frauen weiterzugeben.

Der Anfang des Projekts "Women of Faith Peacebuilding Network" war mühselig. Es gab und gibt großes Misstrauen gegenüber dem interreligiösen Projekt. Schwester Agatha sagt, sie versuche sich auf die Menschen zu konzentrieren, die das Netzwerk gut finden. "Und die anderen? Wenn sie uns heute nicht mögen, dann machen sie es vielleicht morgen", sagt die Schwester mit einem Lächeln. 

Seit 2014 bietet das Netzwerk auch dreiwöchige berufliche Fortbildungen an, etwa für die Gastronomie oder handwerkliche Tätigkeiten. Schwester Agatha sagt, sie wolle die Frauen ermutigen, Ideen des Friedens in ihre Familien und Gemeinden zu bringen und sich aus den finanziellen Abhängigkeitsverhältnissen zu ihren Männern zu lösen. "Women of Faith Peacebuilding Network" sei aber nicht ablehnend gegenüber Männern. "Hätte ich mehr Ressourcen würde ich auch Fortbildungen für Männer anbieten", sagt sie. 

Die Weltversammlung von "Religions for Peace" tritt etwa alle fünf Jahre zusammen und findet erstmals in Deutschland statt. Vertreter des Bündnisses waren unter anderem bei den Konflikten in Bosnien-Herzegowina und in Ruanda als Vermittler tätig.