30.09.2019

Amnesty: US-Militär vernachlässigt Schutz von Zivilisten in Somalia

epd

Frankfurt a.M. (epd). Menschenrechtler werfen der US-Armee vor, bei Einsätzen gegen Terroristen in Somalia in eklatanter Weise den Schutz von Zivilisten zu missachten. Das Afrika-Kommando der US-Armee (Africom) mit Sitz in Stuttgart treffe mit Luftangriffen nicht nur fälschlicherweise Zivilisten, sondern unterlasse es auch, Hinterbliebene zu kontaktieren, heißt es in einem Bericht von Amnesty International, den die Organisation am Dienstag veröffentlichte. Bei Luftschlägen wurden Amnesty zufolge seit April 2017 in Somalia 17 Zivilisten getötet.

Im März wurden demnach drei Bauern getötet, die von Africom für Mitglieder der Terrorgruppe Al-Shabaab gehalten wurden. "Es ist schlimm genug, dass das Afrika-Kommando nicht zu wissen scheint, wen die Luftschläge töten", sagte der Somalia-Experte bei Amnesty, Abdullahi Hassan. Es sei aber noch verwerflicher, dass Africom den Angehörigen keine Möglichkeit biete, in Kontakt mit den USA zu treten. An die Hinterbliebenen werde kein Gedanke verschwendet, kritisierte Amnesty. Africom zufolge handelte es sich bei den drei Männern um Terroristen.

Nach der Veröffentlichung eines umfassenden Amnesty-Berichts im März räumte das Afrika-Kommando erstmals ein, dass bei Einsätzen in Somalia auch Zivilisten getötet wurden. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht kritisiert Amnesty, dass Africom es auch unterlasse, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten.

Africom hat seinen Sitz in Stuttgart, von wo aus Militäreinsätze in Afrika koordiniert werden. Seit einer Verordnung von US-Präsident Donald Trump im April 2017 stieg die Zahl der Einsätze in Somalia. Laut Amnesty wurden seither mindestens 131 Luftschläge ausgeführt, bei sechs davon seien Zivilisten getötet worden.

Ziel der Einsätze ist die Bekämpfung von Terroristen am Horn von Afrika. Die Organisation Al-Shabaab versteht sich mehrheitlich als Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida und kontrolliert weite Teile Somalias. Die Islamisten lehnen den Staat und die von der internationalen Gemeinschaft gestützte Regierung ab. Erklärtes Ziel ist die Errichtung eines islamischen Gottesstaates.