14.10.2018

„Wichtiger Mahner für eine konsequente christliche Friedensethik“

Dieter Junker
Evangelische Friedensarbeit

Die evangelische Friedensarbeit hat den Theologen Helmut Gollwitzer, der vor 25 Jahren starb, als einen wichtigen Mahner für eine konsequente christliche Friedensethik gewürdigt. „Gollwitzer war über viele Jahre hinweg das Gewissen der evangelischen Kirche“, so Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Mit seiner klaren Nachfolge der Botschaft Jesu Christi habe der Theologe immer wieder ein deutliches Friedenszeugnis der christlichen Kirche angemahnt, betonte Brahms, der auch der Leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche ist.

„Es war Helmut Gollwitzer, der schon früh laut und vernehmlich seine Stimme gegen ein atomares Rüsten und die deutsche Wiederbewaffnung erhob“, erinnert Christine Busch, die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Sie verweist auf das Buch „Wir Christen und die Atomwaffen“, das der Theologe 1956 veröffentlichte. „Hier sagt jemand in einer für die damalige Zeit ungewohnten Klarheit und Deutlichkeit, dass für Christen Atomwaffen nicht mehr zu akzeptieren, ja dass diese Massenvernichtungswaffen der Ausdruck einer Gottlosigkeit sind“, so Christine Busch, die selbst als junge Theologie-Studentin vor 45 Jahren in Gollwitzers Montagsvorlesungen saß. 

„Für Helmut Gollwitzer hatte eine Nachfolge Christi auch eine politische Konsequenz zur Folge. Für ihn bedeutete das Evangelium auch klare irdische, diesseitige Folgen“, betont Dr. Christoph Münchow, der ehemalige Bundesvorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK). So sei für den streitbaren Theologen der Protest gegen den Vietnamkrieg, gegen das atomare Rüsten in Ost und West und für die Gewaltfreiheit eine logische Konsequenz seines Glaubens gewesen, unterstreicht Münchow. Er sei dankbar, dass er Gollwitzer noch vor dem Mauerfall im Rahmen einer Mitgliederversammlung der Aktion Sühnezeichen haben kennenlernen dürfen. „Ich habe ihn erlebt als einen nachdenklichen Menschen, als einen großen Theologen, als einen begnadeten Prediger, der aus tiefem Glauben heraus konsequent das Evangelium lebte“, so der frühere EAK-Vorsitzende. Darum ist für ihn klar: „Es ist wichtig, sich an diesen Theologen zu erinnern.“

Gerade in der Zeit der Diskussion um den NATO-Doppelbeschluss habe Helmut Gollwitzer für Christen eine wichtige Rolle gespielt, betont Renke Brahms. „Hier war er eine deutliche, eine unbequeme christliche Stimme für den Frieden und gegen das atomare Wettrüsten“, so der EKD-Friedensbeauftragte. Brahms erinnert dabei an die Teilnahme des Pfarrers an der Mutlangen-Blockade oder an die Reden von Gollwitzer bei den Großdemonstrationen 1981 beim Hamburger Kirchentag oder im Bonner Hofgarten. In Hamburg hatte Gollwitzer betont: „Was ist es anderes als Missbrauch der Bergpredigt, wenn man in der einen Hand die Bergpredigt hält und in der anderen die Atomrakete? Wer beides zu vereinigen weiß, die Bergpredigt und die Atombombe, der kennt offenbar weder die Bergpredigt noch hat er sich klar gemacht, was eine Atombombe ist.“ 

„Helmut Gollwitzer predigte die konsequente Nachfolge Jesu Christi, auch, wenn seine eigene Kirche dies nicht immer hören wollte“, so der EKD-Friedensbeauftragte. Schon früh habe er damit Grundlagen gelegt für die heutige evangelische, ja christliche Friedensethik. „Hier haben wir diesem Theologen viel zu verdanken und es ist wichtig, dass er und seine Theologie nicht in Vergessenheit geraten“, macht Renke Brahms deutlich.

Helmut Gollwitzer, 1908 in Bayern geboren, gilt als einer der prominentesten Schüler von Karl Barth, bei dem er studierte und auch promovierte. Aktiv in der Bekennenden Kirche war Gollwitzer in der Zeit der Inhaftierung von Martin Niemöller Pfarrer in Dahlem, als Soldat war er an der Ostfront im Einsatz. Seine Eindrücke schilderte er in einem Aufsehen erregenden Buch nach dem Zweiten Weltkrieg. 1950 übernahm Gollwitzer einen Lehrstuhl für Theologie in Bonn, 1957 wechselte er an die Freie Universität Berlin, lehrte aber auch an der dortigen Kirchlichen Hochschule. Er starb am 17. Oktober 1993 in Berlin.