29.09.2018

Theologin: Kirchen sollen Friedensprozess in Korea unterstützen

Alexander Lang
epd

Landau (epd). Die aus Südkorea stammende Pfarrerin Young Mi Lee hat an die evangelische Kirche appelliert, die historische Annäherung der beiden koreanischen Staaten zu unterstützen. Derzeit biete sich möglicherweise eine auf Generationen einmalige Chance, den Friedensprozess in Korea voranzubringen, sagte die 52-jährige Dozentin und Schulpfarrerin im rheinland-pfälzischen Landau in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die deutschen Kirchen könnten über ihre positiven Erfahrungen im deutschen Einheitsprozess berichten und den Menschen in dem seit 1953 geteilten südostasiatischen Land Mut auf dem Weg zum Frieden zusprechen.

Für einen zukünftigen Friedensschluss in Korea komme den evangelischen Kirchen in Südkorea ein wichtige Rolle zu, sagte die promovierte Theologin. Unterstützt von den deutschen Partnern müssten sie weiter Reiseerleichterungen und grenzüberschreitende Treffen für Familien einfordern, die seit Jahrzehnten getrennt sind. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un seien ernsthaft zu einem Frieden und zu einer Vereinigung beider Länder bereit, sagte Lee.

Zwar sehnten sich die Menschen im demokratischen Südkorea und im kommunistischen Nordkorea mehrheitlich nach Frieden und Einheit, sagte die Theologin. Dennoch wachse nach 65-jähriger Trennung auch die Gefahr, dass sich die Menschen in den beiden Koreas auseinanderlebten. Gerade viele jüngere Koreaner hätten das Ziel der Einheit aus den Augen verloren, sagte Lee, die in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren wurde. Zudem gingen einflussreiche und mitgliederstarke evangelikale "Megakirchen" in Südkorea gegen eine Aussöhnung mit dem kommunistischen Norden vor.

Auch die pfälzische Landeskirche könne einen Beitrag für Frieden auf der koreanischen Halbinsel leisten, indem sie mit ihrer Partnerkirche, der eher liberalen Presbyterianischen Kirche von Korea (PCK), weiter im Gespräch bleibe. Dabei könnten Pfälzer Protestanten werben für die erfolgreiche deutsche Entspannungspolitik seit dem Ende der 1960er Jahre, die den Weg zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 geebnet habe. Auch sollten die deutschen Partner versuchen, Ängste in der südkoreanischen Bevölkerung vor den Kosten der Einheit mit dem armen Norden zu zerstreuen. Wichtig sei zudem der kirchliche Jugendaustausch, betonte Lee. 

Für die politische Einheit Koreas sieht Lee, die seit 2003 Pfarrerin der Landeskirche ist, indes kaum realistische Chancen. Auswärtige Mächte, allen voran die USA, China, aber auch Russland und Japan, verhinderten ein entsprechendes Abkommen. "Wir Koreaner können nicht frei über unser eigenes Schicksal entscheiden, das macht uns traurig", sagte Lee, die Dozentin am Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz in Landau ist. 

Seit den 1980er Jahren bestehen kirchliche Kontakte zwischen der Pfalz und Korea, im Jahr 2000 wurde eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet.