06.11.2018

Stoltenberg: Unberechenbarkeit in Politik gefährdet Frieden

epd

Osnabrück (epd). Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht eine Unberechenbarkeit der internationalen Politik als größte Gefahr für den Frieden. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) sagte Stoltenberg: "Heute ist das größte Risiko die Unvorhersehbarkeit. Anders als im Kalten Krieg können wir uns heute nicht mehr auf eine klare Bedrohung konzentrieren."

"Die Spannung war hoch, aber die Situation war vorhersehbar", sagte der Nato-Generalsekretär. In der Ost-West-Konfrontation habe eine gewisse Stabilität gelegen. Das habe sich völlig geändert: "Heute stehen wir vor viel komplexeren Herausforderungen", sagte Stoltenberg in dem Interview anlässlich des bevorstehenden 100. Jahrestages des Ende des Ersten Weltkriegs. Diese reichten von einer aggressiveren Haltung Russlands bis hin zu Cyberangriffen, Terrorismus und chemischen Angriffen bis zu Desinformations- und Propaganda-Attacken auf westliche Demokratien. 

Die Geschichte habe gelehrt, dass man den Frieden nicht als garantiert ansehen dürfe: "Denn dann vergessen wir, diesen Frieden zu verteidigen", sagte der Norweger. 

Am 11. November 1918 hatten Vertreter des Deutschen Reiches und der Alliierten ein Waffenstillstandsabkommen in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne nordöstlich von Paris unterzeichnet.  Unter Historikern gilt der damit beendete Erste Weltkrieg als erster globaler Krieg der Geschichte - und als erster totaler. Neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten wurden innerhalb von vier Jahren getötet.