03.09.2018

Rotes Kreuz: USA sollen Pakt gegen Streumunition beitreten

epd

Genf (epd). Das Rote Kreuz hat die USA, Russland und Dutzende weitere Staaten aufgefordert, der zehn Jahre alten Konvention zum Verbot von Streumunition beizutreten. Vor allem Zivilisten würden durch die heimtückische Munition verletzt und getötet, betonte der Vizepräsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Gilles Carbonnier, am Montag in Genf.

Eine universelle Ächtung der Waffen würde viele Menschenleben retten, erklärte Carbonnier. Er sprach auf der Vertragsstaatenkonferenz der Konvention, die 2008 unterzeichnet wurde. Laut Rotem Kreuz sind 103 Staaten dem Abkommen beigetreten, darunter Deutschland. Zudem unterzeichneten 17 Staaten den Pakt.

Neben den USA und Russland lehnen auch Syrien, Jemen und Saudi-Arabien den Vertrag ab. Im vergangenen Jahr wurden laut der Abrüstungsinitiative Cluster Munition Coalition (CMC) weltweit mindestens 289 Menschen bei der Explosion von Streubomben getötet oder verletzt. Diese Zahl sei zwar deutlich niedriger als im Jahr 2016 (971 Opfer), bleibe aber dennoch inakzeptabel. Die Dunkelziffer liege zudem vermutlich höher.

Die meisten Opfer seien in Syrien und im Jemen erfasst worden. Ein Drittel der registrierten Explosionen mit Blindgängern ereignete sich in Laos (32 Opfer), dem Land, das laut Datenlage weltweit am stärksten durch Reste von Streumunition verseucht ist. 62 Prozent der Opfer von Blindgängern sind Kinder.

Seit Inkrafttreten der Konvention gegen Streumunition 2010 vernichteten den Angaben zufolge 35 Vertragsstaaten ihre Bestände. Die Konvention verbietet den Einsatz, die Produktion, den Transfer und das Lagern der Munition. Bestände müssen zerstört werden und verseuchte Gebiete müssen geräumt werden. 

Streumunition wird in Behältern von Artilleriegeschützen und Militärflugzeugen abgeschossen. Nach dem Öffnen der Behälter verteilen sich Hunderte kleiner Bomben auf einem mehrere Fußballfelder großen Gebiet. Viele Einzelteile detonieren jedoch nicht direkt, sie stellen auch nach Jahrzehnten noch eine Gefahr für die Bevölkerung dar.