14.02.2018

Militärbischof stellt Aussetzung der Wehrpflicht infrage

epd

Berlin (epd). Sieben Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht sieht der evangelische Militärbischof Sigurd Rink die Entscheidung für eine Berufsarmee kritisch. In einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag für den "Tagesspiegel" warnte Rink vor "neuen Söldnern": "Die Aussetzung der Wehrpflicht führt dazu, dass immer mehr Menschen von der ökonomischen Verliererseite in die Bundeswehr eintreten." Es seien Bürger, die auf dem zivilen Arbeitsmarkt kaum Chancen bekämen.

"Das sind - diese Gefahr möchte ich beim Namen nennen - neue Söldner. Menschen, die im Krieg ihren Lebensunterhalt verdienen, weil sie wenig andere Möglichkeit finden", schreibt Rink und ergänzt: "Wir delegieren Militäraktionen an die Armen." Der Militärbischof wollte am Donnerstag einem Vortrag auf der Münchener Sicherheitskonferenz zu dem Thema halten.

Die soziale Ungleichheit des Landes bilde sich in der Armee ab, schreibt Rink. Man könne zwar noch nicht sagen, dass die Bundeswehr insgesamt eine "Unterschichtarmee" geworden sei, "aber es häufen sich Anzeichen, dass das politische Interesse selbst unter jungen Offizieren abnimmt".

Rink erinnerte an die Gründungsidee der Bundeswehr, nach der sich Soldaten als "Staatsbürger in Uniform" verstehen sollen. Er wünsche sich eine Armee, die ein Spiegelbild der ganzen Gesellschaft sei und Menschen aus allen Regionen Deutschlands anziehe. Überproportional stammten Soldaten derzeit aus Ostdeutschland, wo die ökonomischen Strukturen schwächer seien, beklagte Rink.

"Uns darf nicht gleichgültig lassen, wenn Menschen aus Not und aus Mangel an Alternativen Soldat werden", sagte der Theologe. Wenn sich an der Tendenz nicht ändere, laufe die deutsche Armee Gefahr, den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren. Für die Militärseelsorge der evangelischen Kirche arbeiten rund 100 Pfarrer und ebenso viele Pfarrhelfer. 15 Auslandseinsätze der Bundeswehr werden von Seelsorgern begleitet.