22.03.2018

"Mali hat durch seine Menschen eine freundliche Ausstrahlung"

Mey Dudin
epd

Berlin (epd). Als Militärseelsorger der Bundeswehr war der heutige FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober 2016 über mehrere Monate im afrikanischen Krisenland Mali im Einsatz. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) berichtet der evangelische Theologe von seinen Eindrücken. 

epd: Sie waren als Seelsorger auch im umkämpften Norden Malis stationiert. Wie haben Sie die dortige Lage empfunden?

Kober: Ich habe den Einsatz mit Respekt angetreten, da mir die Sicherheitslage natürlich bekannt war. Ich habe mich aber sicher gefühlt. Auf den Schutz der Soldaten wird großer Wert gelegt und mit Risiken wurde sehr professionell umgegangen. Die Lager sind gut bewacht und die Soldaten übernachten in gepanzerten Unterkünften. Da ich als Seelsorger keine Waffe trug, wurde ich auch innerhalb des Lagers bewacht. Herausfordernd waren die hohen Temperaturen um die 50 Grad Celsius im Schatten und die regelmäßigen Sandstürme. Um der Bevölkerung in der Nähe des Camps das Wasser nicht streitig zu machen, durfte jeder nur zwei Minuten am Tag duschen. 

epd: Was waren die größten Sorgen der Soldaten?

Kober: Während eines solchen Einsatzes geht das Leben der Familien in der Heimat weiter. Hat der Soldat eine Familie, lebt die Frau den Alltag einer Alleinerziehenden. Wenn Zuhause etwas passiert, kann er nicht helfen oder eingreifen. Da gibt es so einiges: Erkrankungen, Unfälle, Schwangerschaften oder Streit. Der Soldat im Einsatz lebt in einer anderen Lebenswirklichkeit mit ihren eigenen Problemen. In einer so kargen und andersartigen Wirklichkeit kommen auch die großen Fragen des Lebens hoch - nach dem Sinn des Lebens, nach der Gerechtigkeit und dem Frieden in der Welt, warum man in Europa geboren wurde und nicht in Afrika. Als Christ und Seelsorger kann ich da Hoffnung geben, dass es eine Erlösung und Gerechtigkeit für jeden einzelnen geben wird. 

epd: Hatten Sie Kontakt zu der Bevölkerung in Mali?

Kober: Ja, und sie ist sehr sympathisch. Mali hat durch seine Menschen eine freundliche Ausstrahlung. Dort gibt es überwiegend Muslime, die ihre Religion sehr entspannt leben. Ich habe mehr Frauen gesehen, die kein Kopftuch trugen als Frauen, die Kopftuch trugen. Man konnte auf offener Straße Alkohol kaufen und zumindest in der Hauptstadt Bamako gab es im Supermarkt auch Schweinefleisch. Manche Soldaten, die vorher in Afghanistan waren, sind von der Freundlichkeit in Mali überrascht. Die meisten Menschen dort haben im Gegensatz zu den Afghanen noch eine gute Erinnerung an den Frieden, da es den Konflikt in dieser Ausprägung erst seit 2012 gibt. Und sie haben den Willen, wieder Frieden zu bekommen.