02.09.2018

Geschichten vom Krieg

Mey Dudin
epd

Berlin (epd). Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs leben nur noch wenige Zeitzeugen - doch kurioserweise verkaufen sich Geschichten von der Front bis heute. Obwohl die Printmedienbranche seit Jahren in der Krise steckt, liegen Zeitschriften zu Kriegen, Militärgeschichte und Waffen vergleichsweise stabil im Markt. Vor allem in Bahnhofsbuchhandlungen werden Dutzende dieser Magazine und Heftchen angeboten. 

"Clausewitz" zum Beispiel, benannt nach dem preußischen Militärtheoretiker, erscheint sechsmal im Jahr im GeraMond Verlag mit einer Auflage von 35.000 Stück. Der Inhalt: Schlachten, Kriegshelden und Panzer. Die Leserschaft: Männlich, Abitur oder Hochschulabschluss, häufig zwischen 40 und 59 Jahren, liest mehr als zwei Stunden in einer Ausgabe, wie aus einem nicht-repräsentativen Überblick des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hervorgeht. 

"Militär & Geschichte", erscheint sechsmal jährlich ebenfalls im GeraMond-Verlag bei einer verkauften Auflage von 28.000 Stück, fast ausschließlich männliche Leser, viele mit überdurchschnittlicher Bildung, die als Hobby Geschichte angeben. Es sind besonders treue Stammkunden: Mehr als 93 Prozent der Leser sind seit Gründung der Zeitschrift im Jahr 2002 dabei.

Die Kriegserlebnisse des einfachen deutschen Soldaten - einer Saubermannversion der Nazi-Kämpfer - gibt es im Groschenromanformat im Heftchen "Weltkrieg". Es bietet dem Leser vermeintliche Zeitzeugenberichte, die zum Beispiel so klingen: "Die vordere Achse ging zum Teufel. Wieder war ein Fahrzeug ausgeschaltet. Und erneut griffen die Russen an." 

Die Macher tun alles, um unsichtbar zu bleiben. In der Medienbranche gilt das alle zwei Wochen erscheinende Heft als inoffizieller Nachfolger der umstrittenen Zeitschrift "Der Landser". Das Blatt gab es mehr als 50 Jahre, bis es 2013 von der Bauer Media Group eingestellt wurde. Jüdische Organisationen hatten zuvor mit dem Vorwurf der Kriegsverherrlichung und Holocaust-Leugnung ein Verbot gefordert. 

Während hinter "Der Landser" ein bekannter Verlag stand, bleiben die Herausgeber von "Weltkrieg" seit der ersten Ausgabe 2014 anonym. Im Impressum wird der "Verlag Mediavari" in der Schweiz angegeben. Doch es gibt ihn offenbar nicht: Das NDR-Magazin "Zapp" traf vor vier Jahren an der angegebenen Verlagsadresse lediglich einen Treuhänder, der angab, die Zeitschrift nicht zu kennen. Unbestätigt blieb, dass der rechte deutsche Verleger Dietmar Munier dahinter steckt. 

Mediadaten, wie sie von anderen Zeitschriften öffentlich zugänglich sind, findet man zum "Weltkrieg" nicht. Immerhin eine Orientierung darüber, wie sich das Heft im Markt behauptet, kann Ulrich Bender vom Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler geben. Er arbeitet für die Firma Schmitt & Hahn, die mit rund 80 Filialen bundesweit zu den großen Bahnhofsbuchhändlern gehört. 

Bender zufolge verkauft sich "Weltkrieg" in den Filialen von Schmitt & Hahn pro Ausgabe etwa 150 Mal. Eine überschaubare Menge zwar, die Zahl bleibe aber seit Jahren stabil. Zum Vergleich: Die beliebte Frauenzeitschrift "Barbara", die monatlich erscheint, wird in den Filialen 1.500-mal pro Ausgabe verkauft. 

Bei den Zeitschriften zu Krieg, Waffen und Militär gibt es seiner Erfahrung nach keine Nachwuchsprobleme. "Kinder übernehmen, wenn sie erwachsen sind, oft die Hobbys und Interessen der Eltern." Und diese Zielgruppe lasse sich auch von Preiserhöhungen nicht abschrecken. Und solange es kein offizielles Verbot gibt, müssten Bahnhofshändler im Sinne der Pressefreiheit gewährleisten, dass Zeitschriften auf den Markt kommen können.

Wie eine Absicherung liest sich in dem Zusammenhang ein Hinweisfeld in den "Weltkrieg"-Heften. Darin heißt es: "Es gibt keinen wie auch immer gearteten Grund, der es rechtfertigen würde, auch nur ein einziges menschliches Leben in einem Krieg zu opfern!" Im "Clausewitz" steht indes im Kleingedruckten: "Redaktion und Verlag distanzieren sich ausdrücklich von jeglicher nationalsozialistischer Gesinnung."