28.01.2018

Fürst ruft muslimische Gemeinden zum Gedenken an den Holocaust auf

epd

Osnabrück/Hannover (epd). Der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, hat muslimische Gemeinden aufgefordert, sich mehr für die Erinnerung an den Holocaust zu engagieren. Als Beispiel nannte Fürst eine Aktion der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die im Vorfeld des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar ein Foto von einem Stolperstein mit der Ankündigung "Stolpersteine putzen" twitterte. Auch wenn er die Steine kritisch sehe - genau diese Art von Initiative meine er, sagte Fürst der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). 

Die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig erinnern vor deren letzten Wohnorten an Opfer der NS-Zeit.

Zusätzlich plädiert Fürst für mehr Austausch zwischen Juden und Muslimen. "Muslimische Jugendgruppen könnten zum Beispiel jüdische Gemeinden und auch Gedenkstätten besuchen", sagte er. "Das muss aber von der muslimischen Zivilgesellschaft ausgehen." Forderungen, wonach auch erwachsene Flüchtlinge Konzentrationslager besuchen sollten, trat Fürst entgegen. "Man kann keinen Erwachsenen zwingen, nach Bergen-Belsen oder Auschwitz zu gehen." Es sei jedoch Aufgabe des Staates, zumindest Angebote dafür zu machen.

Die Erinnerung an den Holocaust werde sich bald verändern, sagte Fürst, auch weil es immer weniger Zeitzeugen gebe. "Wir müssen die Erinnerung wachhalten - ohne Schuldzuweisung. Entscheidend ist, dass wir den Kindern vermitteln: Es waren Deutsche, die diese Verbrechen begangen haben. Du als Kind kannst nichts dafür. Aber du kannst trotzdem Verantwortung dafür übernehmen, dass so etwas nie wieder passiert." Denn es könne wieder passieren, mahnte Fürst.