22.11.2018

Friedensorganisationen rufen zur Einhaltung des Atomwaffenverbots auf

epd

Mutlangen (epd). Friedensorganisationen nutzen den 35. Jahrestag der Pershing-Stationierung in Mutlangen (Ostalbkreis) zu einem dringenden Appell an die Politik, den Atomwaffenverbotsvertrag einzuhalten. Der Vertrag, den 122 Staaten im Juli 2017 beschlossen hatten, sei "ein entscheidender Schritt zu einer Welt ohne Atomwaffen", sagte am Donnerstag in Mutlangen die Düsseldorfer Landeskirchenrätin im Ruhestand Christine Busch.

Die Vorsitzende der vor 50 Jahren gegründeten Aktionsgemeinschaft Dienste für den Frieden warnte vor einer neuen Rüstungs- und Eskalationsspirale, weil Russland und die USA einander Vertragsverletzungen vorwerfen und an der Modernisierung ihrer Atomwaffen arbeiten. Die kirchliche Friedensarbeit sehe mit Sorge auch die zunehmende Militarisierung der Europäischen Union, sagte sie. 

In einer von der Friedenswerkstatt Mutlangen initiierten Briefaktion wird der Appell zur Einhaltung des Verbotsvertrags an die Botschaften Russlands, der USA und an Außenminister Heiko Maas (SPD) übermittelt. Busch betonte, es sei dringend erforderlich, dass auch Deutschland diesen Vertrag unterzeichne und ratifiziere. 

Wolfgang Schlupp-Hauck von der Friedenswerkstatt Mutlangen kündigte an, dass es im kommenden Jahr eine Ost-West-Begegnung von Friedensbewegungen am verbliebenen Atomwaffenstandort Büchel geben werde. Er erinnerte daran, dass der Bundestag den Stationierungsbeschluss für Pershing-Mittelstreckenraketen am 22. November 1983 billigte und zwei Tage später die ersten Raketentransporte nach Mutlangen rollten. Tausende Demonstranten wehrten sich damals friedlich dagegen. Viele wurden bei den Sitzblockaden festgenommen. 

Fünf Jahre später, am 8. Dezember 1988, unterzeichneten Ronald Reagan für die USA und Michail Gorbatschow für die Sowjetunion den ersten INF-Vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty). Durch ihn wurde Mutlangen wieder atomwaffenfrei, so Schlupp-Hauck. Die Schwäbisch Gmünder Dekanin Ursula Richter bedauerte, dass aktuell in den USA und weiteren Ländern eine nicht-rationale Politik den damals gewonnenen Frieden wieder unsicher mache.