30.08.2018

Friedensbeauftragter: Rechtsextremen muss früher widersprochen werden

Karen Miether
epd

Hannover (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Lutz Krügener hält einen breiten gesellschaftlichen Protest gegen die Ausschreitungen vom vergangenen Sonntag in Chemnitz für den richtigen Weg. Aktionen wie der Internetaufruf des Kampagnennetzwerkes Avaaz.org, einen offenen Brief gegen rechtsextreme Umtriebe zu unterzeichnen, seien überfällig, sagte der Friedensbeauftragte der hannoverschen Landeskirche am Donnerstag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

Der Protest sollte sich auf allen Ebenen zeigen, sagte der evangelische Pastor und Sprecher der "Initiative Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" der Landeskirche. Dazu zählten die soziale Medien ebenso wie Demonstrationen gegen Neonazis, die nicht nur in Chemnitz, sondern auch etwa im niedersächsischen Braunschweig geplant sind. 

In Chemnitz war es am Sonntag und Montag zu teilweise gewaltsamen Demonstrationen aus dem rechten Spektrum gekommen. Bei den Veranstaltungen wurde offen gegen Ausländer gehetzt und der Hitlergruß gezeigt. Am Montag mobilisierten zum Teil gewaltbereite Rechte rund 6.000 Demonstranten. Auslöser der Ausschreitungen war der gewaltsame Tod eines 35-jährigen Deutschen in der Nacht zum Sonntag am Rand des Chemnitzer Stadtfestes. Gegen zwei mutmaßliche Täter, einen 22-jährigen Iraker und einen 23-jährigen Syrer, wurden Haftbefehle erlassen. 

Krügener sagte, er unterstelle nicht allen Chemnitzer Demonstrationsteilnehmern ein gefestigtes rechtsextremes Weltbild. Umso nachdenklicher mache es ihn, wenn diese Menschen sich in die Demonstration einreihten. "Spätestens, wenn jemand neben mir den Hitlergruß zeigt, sollte ich gehen!" Er rief dazu auf, bereits im Alltag zu widersprechen, wenn etwa in der Kneipe, im Chor oder im Sportverein fremdenfeindliche oder menschenverachtende Ansichten geäußert werden. "Wir haben da zu lange geschwiegen." 

Die Initiative gegen Rechtsextremismus habe zum Beispiel Thesen entwickelt, um Jugendliche sprachfähig zu machen. Ein Argumentationstraining gegen rechte Parolen werde zunehmend von Menschen nachgefragt, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagierten, sagte er. "Oft machen sie aber die Erfahrung, dass die besseren Argumente gar nicht gehört werden. Das sorgt für Frust." Doch auch, wenn sich jemand nicht auf eine längere Diskussion einlassen wolle, könne er intervenieren. "Ich sollte zumindest benennen, was aus meiner Sicht nicht okay ist."