22.07.2018

"Frieden und Religion gehören zusammen"

Andreas Jalsovec
epd

Augsburg (epd). In Augsburg wird es künftig eine eigene Ortsgruppe der weltweiten Friedensbewegung "Religions for Peace" (RfP) geben. Die Gründungsveranstaltung finde am Donnerstag (25. Juli) im Augsburger Rathaus statt, sagte Elisabeth Naurath, Professorin für Religionspädagogik und Sprecherin der Gruppe, dem Evangelischen Pressedienst (epd). RfP gehören weltweit Menschen fast aller Religionsgemeinschaften in über 100 Ländern an. Bundesweit ist die Bewegung in bislang zwölf Städten vertreten. Die Augsburger Gruppe bestehe aus 15 Frauen, erläuterte Naurath: Darunter seien Vertreterinnen von drei christlichen Kirchen, drei Richtungen muslimischen Glaubens, des Judentums und der Bahai, einer ursprünglich aus dem Iran stammenden Religion.

epd: Frau Naurath, was will ihre Ortsgruppe erreichen? 

Elisabeth Naurath: Uns geht es darum, gemeinsam das Friedenspotenzial von Religionen deutlich zu machen, zu zeigen: Frieden und Religion gehören zusammen. Ich denke, die friedensstiftende Rolle von Religionen wird in der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen. Religionen sind nicht Ursache von Gewalt. Sie werden nur oft dafür instrumentalisiert. Religionen haben jedoch ein großes Friedenspotenzial. Sie stehen für Werte, die friedens- und dialogstiftend sind. Das wollen wir zeigen.

epd: Wie wollen Sie das tun? 

Naurath: Durch interreligiösen Dialog. Das bedeutet ganz einfach, dass wir uns treffen und uns gegenseitig kennenlernen. Wir stellen dabei Fragen wie: Wer seid ihr? Wie übt ihr eure Religion im Alltag aus? Welche Probleme gibt es dabei? Das machen wir bereits seit gut einem Jahr. Wir hatten etwa ein gemeinsames Fastenbrechen. Und wir wurden zu einer Schabbat-Feier in die jüdische Gemeinde eingeladen. Solche Begegnungen schaffen Vertrauen. Und dieses Vertrauen wiederum hilft, Konfliktpotenziale zu erkennen, Konflikte zu verhindern - und auch zu lösen. 

epd: Die Gruppe besteht bislang nur aus Frauen - warum? 

Naurath: Das war eine bewusste Entscheidung. Frauen haben im interreligiösen Dialog noch keine allzu starke Stimme. Die Repräsentanten der verschiedenen Religionen sind ja meistens Männer. Frauen können daher eine neue Perspektive in die interreligiöse Zusammenarbeit einbringen. So erzählen Frauen beispielsweise viel eher alltagsbezogen von ihrem Glauben. Das gibt dem Kennenlernen untereinander oft eine persönliche, lebensnahe Dimension. Ich halte das für sehr wichtig, damit Religionen künftig stärker als Friedensstifter in der Gesellschaft wahrgenommen werden.