21.11.2018

EKD-Beauftragter Brahms: Jeder kann Frieden stiften

epd

Bremen (epd). Zum Frieden in der Gesellschaft kann nach Auffassung des evangelischen Friedensbeauftragten Renke Brahms jeder beitragen. "Das beginnt zu Hause am Esstisch mit dem Gespräch in der Familie oder mit Freunden im Restaurant", sagte Brahms am Mittwoch in einem Gottesdienst zum Buß- und Bettag in Bremen. Es komme darauf an, wie man miteinander rede. "Es ist gut, wenn wir darauf achten, das anders Aussehende und anders Lebende nicht voller Vorurteile verurteilt werden." Brahms ist seit 2008 Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Brahms sagte, es sei notwendig, gegen alle Vereinfachungen und gegen ein Schwarz-Weiß-Denken die Kunst der Differenzierung zu setzen: "die einen nicht einfach in die Nazi-Ecke zu stellen und die anderen nicht als naive Gutmenschen zu verhöhnen". Im übertragenen Sinne könne jeder noch heute einen Krieg beenden, wenn er sich ein wenig zurücknehme und in den anderen Menschen versetze. "Das gilt für jede Ehe und Beziehung - und es gilt für das große politische Geschäft."

Es gehe auch darum, Lügen zu unterlassen und der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, betonte der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche. Das sei nicht einfach, denn "die Wahrheit ist ein schweres Geschäft". Sie sei nicht einfach zu haben, sondern ein gemeinsames Ringen und Debattieren um die richtigen Antworten: "Die eine große Wahrheit gibt es selten."

Brahms predigte in einem Gottesdienst, der live von Radio Bremen übertragen wurde. Unter dem bundesweiten Motto "Heute einen Krieg beenden" begingen Protestanten am Mittwoch in Deutschland den Buß- und Bettag. Für evangelische Christen ist der kirchliche Feiertag ein Tag der Besinnung und Neuorientierung, er dient auch der Reflexion gesellschaftlicher Schieflagen. Diesmal stand er im Zeichen von Versöhnung. Bis 1995 war der Bußtag gesetzlicher Feiertag, heute ist er das nur noch in Sachsen.