07.07.2018

Eindrucksvolles Zeichen in Büchel für eine atomwaffenfreie Welt

Dieter Junker
Evangelische Friedensarbeit
EKD-Friedensbeauftragter beim Aktionstag in Büchel

Dieter Junker

EKD-Friedensbeauftragter Renke Brahms beim Aktionstag in Büchel.

Es war ein eindrucksvolles und Mut machendes Zeichen von vielen Christinnen und Christen für eine atomwaffenfreie Welt. Genau ein Jahr nach der Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags waren mehr als 500 Menschen in die Eifel an den Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel gekommen, um einen Gottesdienst zu feiern, aber auch, um ein Signal an die Bundesregierung zu senden, diesen Vertrag ebenfalls zu unterzeichnen.

„Wir wehren uns gegen ein ,Weiter so´ auf dem Weg der atomaren Abschreckung und Aufrüstung durch Modernisierung dieser schrecklichen, unvorstellbar zerstörerischen Massenvernichtungswaffen“, meinte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Renke Brahms, in seiner Predigt. Er forderte die Bundesregierung nachdrücklich auf, sich dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag anzuschließen und alles dafür zu tun, dass die letzten Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden.

Es sei wichtig, die alten Denkmuster der atomaren Abschreckung zu verlassen und zu überwinden. „Es ist nicht Sache einer Predigt, den politisch Verantwortlichen vorzuschreiben und vorzuschlagen, wie sie es genau machen sollten. Aber Mut zu machen, alte Wege zu verlassen, das können wir wohl“, unterstrich der EKD-Friedensbeauftragte. Zweifel daran, dass es gelingen könne, Atomwaffen zu ächten, zu verbieten und weitgehend abzuschaffen, wollte Renke Brahms nicht gelten lassen. „Was mit den B- und C-Waffen gelungen ist, muss auch mit den Atomwaffen durchgesetzt werden. Wer sie besitzt, mit ihnen droht oder gar einsetzt, begeht ein Verbrechen gegen die Menschheit“, betonte der Theologe in Büchel.

Und er lasse sich auch keine Naivität vorwerfen, wenn er der Logik und der Herausforderung der Bergpredigt Jesu folge, wenn „ich dem ,Ich aber sage Euch´ Jesu mehr glaube als den ,Abers´ der vermeintlichen Realisten, betonte Renke Brahms. „Und keiner von uns, die wir hier sind, ist doch so naiv, zu meinen, wir lebten in einer perfekten Welt und es sei ganz einfach mit dem Frieden. Nein, wir alle wissen sehr genau, dass es harte Arbeit bedeutet, auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens die nächsten Schritte zu gehen, und dass dieser Weg immer bei uns selbst beginnt“, machte der EKD-Friedensbeauftragte deutlich.

Symbolisch um 11.58 Uhr hatte der Gottesdienst begonnen. Es ist die Uhrzeit, mit der aktuell die Doomsday-Clock die Gefahr eines Atomkrieges anzeigt. „Zwei Minuten vor Zwölf ist mehr als genug. Zwölf Uhr darf es auf der Weltuhr niemals werden. Zwei Minuten vor Zwölf ist spät. Aber hoffentlich noch nicht zu spät. Es liegt in unserer Hand“, betonte der Jülicher Superintendent Jens Sannig als Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland im Gottesdienst.

Der frühere Erfurter Probst Heino Falcke, einer der bekanntesten Theologen der evangelischen Kirche der ehemaligen DDR, zeigte sich tief beeindruckt von diesem Aktionstag. „Das, was hier auf der Wiese vor dem Fliegerhorst passiert, ist die Zukunftsalternative zu dem, was hinter diesem Kasernenzaun gemacht wird“, betonte er. Und er machte deutlich: „Was sich derzeit an atomarer Rüstung abzeichnet, dem kann nicht widerstandslos zugesehen werden.“

Und dass Christinnen und Christen dies nicht widerspruchslos hinnehmen wollen, zeigte der Aktionstag deutlich. Vor der Modernisierung der auch in Büchel in der Eifel lagernden Atomwaffen warnte Dr. Dirk-M. Harmsen vom Forum Friedensethik der Evangelischen Kirche in Baden. Die neue Atombomben-Generation vergrößere die militärischen Fähigkeiten, ihr Einsatz werde dadurch wahrscheinlicher. Und: „Die neue Bombe verstößt gegen den INF-Vertrag“, so der Kernphysiker.

Dass gerade auch für junge Menschen ein Atomwaffenverbot wichtig wäre, verdeutlichten Jugendliche aus der amerikanischen United Church of Christ, die sich derzeit in Deutschland aufhalten. „Wir machen uns Sorgen um die Zukunft kommender Generationen“, meinte eine Jugendliche. Und andere forderten Deutschland auf, sich gegen die Modernisierung der amerikanischen US-Atomwaffen in Europa zu stellen. Wie erfolgreich das Engagement von Jugendlichen sein kann, verdeutlichte in Büchel Birte Vogel von der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Organisation ICAN. Und dass es Alternativen zu einer militärischen Sicherheitslogik gibt, verdeutlichte der Friedensbeauftragte der badischen evangelischen Kirche, Stefan Maaß, der ein von seiner Landeskirche kürzlich veröffentlichtes Szenario „Sicherheit neu denken“ in Büchel vorstellte, und das nicht nur Atomwaffen überflüssig machen würde, wie er betonte.

„Hier stehen Menschen, die wissen, dass Sicherheit nicht mit Abschreckung durch Waffen erreicht wird, sondern der Abbau von Waffen der Weg zum Frieden ist“, betonte der frühere deutsche UN-Diplomat Dr. Hans-Christoph Graf von Sponeck in Büchel. Er forderte die Bundesregierung auf, ihren künftigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, um nach dem Austritt aus der Kernkraft nun auch den „lebenswichtigen Austritt aus der Atombewaffnung“ zu erklären, damit Deutschland zu einer atomwaffenfreien Zone werde. 

Wie von Sponeck forderten viele Deutschland auf, wie 122 Staaten auch, den UN-Atomwaffenverbotsvertrag ebenfalls zu unterzeichnen. Symbolisch wurde von Jugendlichen mit einem aus einer Atomrakete umgewandelten Kugelschreiber dieser Vertrag unterschrieben. „Wir müssen die Bundesregierung weiterhin fragen, warum sie nicht an den Verhandlungen teilnahm. Und wir müssen dafür sorgen, dass alle, die Ohren haben, auch hören können: Atomwaffen, nukleare Abschreckung und nukleare Teilhabe sind unser selbstverschuldetes Gefängnis“, meinte Jonathan Frerichs (Genf), der Programmdirektor des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) für Friedensförderung und Abrüstung. Er verwies darauf, dass der ÖRK bereits 2014 erklärt hatte, dass Atomwaffen nicht mit echtem Frieden in Einklang gebracht werden können.

Der vom ÖRK ausgerufene Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens habe eine feste Station in Büchel, unterstrich Christine Busch, die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). „Dieser Ort ist ein Schmerzort, Gott sei es geklagt. Hier in Büchel liegt der Tod im Boden und in der Luft“, betonte sie, gab aber auch zu bedenken, dass hier ebenso auch Neues entstehen könne. „Nein zum Atomtod, Ja zum Leben. Nein zur Aufrüstung, Ja zur Abrüstung. Nein zur Gewalt, Ja zur Gewaltfreiheit“, forderte die AGDF-Vorsitzende.  

Zu dem Aktionstag hatten Friedensaktivisten aus den evangelischen Landeskirchen in Bayern, Württemberg, Pfalz, Baden, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck und dem Rheinland sowie die katholische Friedensorganisation Pax Christi aufgerufen. „Wir werden weiterhin deutlich die Stimme erheben für ein Atomwaffenverbot. Und dafür war dieser Aktionstag eine große Ermutigung“, so Pfarrer Detlev Besier, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz.