05.12.2018

Altbundespräsident Köhler eröffnet Westsahara-Gespräche in Genf

epd

Genf (epd). Nach sechsjähriger Pause gibt es neue Gespräche über die Zukunft der Westsahara. Auf Einladung des UN-Sondergesandten, Altbundespräsident Horst Köhler, kamen am Mittwoch in Genf Vertreter Marokkos, Algeriens, Mauretaniens sowie der Unabhängigkeitsbewegung Polisario zusammen. Die ehemalige spanische Kolonie in Westafrika wurde von Marokko annektiert, was aber international nicht anerkannt wurde. Nach mehr als 15 Jahren Krieg herrscht seit 1991 ein Waffenstillstand mit der Polisario, die einen eigenständigen Staat fordert. Ein geplantes Referendum über die Zukunft der Westsahara fand nie statt.

Über den Waffenstillstand wacht seit 1991 eine UN-Mission, zu deren Aufgaben auch die Abhaltung des Referendums gehört. Die Verhandlungen in Genf stehen unter Druck, weil die USA die Mission einstellen wollen. Zuletzt hatte Washington im UN-Sicherheitsrat nur noch eine Verlängerung um ein halbes Jahr zugelassen. Für die Vereinten Nationen steht die Selbstbestimmung der saharischen Bevölkerung im Mittelpunkt. Marokko will die Westsahara dagegen dem Vernehmen nach zu einer halbautonomen Region machen, was die Polisario strikt ablehnt. In der Westsahara leben Schätzungen zufolge rund 500.000 Menschen.

Algerien hatte zuletzt erneut seine Unterstützung für die Polisario bekräftigt. Zehntausende saharische Flüchtlinge leben im Süden Algeriens, viele seit Jahrzehnten. Unter dem Sand der Westsahara werden zahlreiche Rohstoffe vermutet, darunter Phosphor, der schon ausgebeutet wird. Wegen der langen Küste spielen auch Fischereirechte im Atlantik eine wichtige Rolle. Marokko kontrolliert etwa zwei Drittel der Region und hat das von der Polisario kontrollierte Hinterland mit einem über 2.500 Kilometer langen Schutzwall abgetrennt, der teils vermint ist.