05.01.2017

UNHCR: Mehr als 130.000 Menschen vor Kampf um Mossul geflohen

Elvira Treffinger
epd

Berlin (epd). Im Irak steigt die Zahl der Flüchtlinge aus der umkämpften Stadt Mossul weiter. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind vor den Kämpfen in der Region inzwischen 132.000 Menschen geflohen, doch es fehlt an Geld für die im Winter besonders dringende Hilfe. "Die Kampfhandlungen erreichen langsam das Zentrum der Millionenstadt", sagte UNHCR-Sprecher Martin Rentsch am Mittwoch in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Weitere Flüchtlinge seien zu befürchten. 

In die Stadt Mossul selbst hätten die Helfer keinen Zugang, allenfalls in Außenbezirke. Mitte Oktober hatte die irakische Armee mit Unterstützung kurdischer Einheiten und der US-geführten Anti-Terror-Koalition eine Großoffensive gestartet, um Mossul aus der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu befreien. Ein Ende der Kämpfe ist derzeit nicht in Sicht. 

"Mit dem Verschieben der Frontlinie Richtung Stadtzentrum wird die Flucht aus den eingeschlossenen Bezirken zunehmend schwieriger", erklärte Rentsch. Einige Familien hätten berichtet, dass Zivilisten absichtlich angegriffen und beschossen worden seien. In der Stadt wird eine Zunahme der Not befürchtet. Bereits jetzt werde über Wasser- und Nahrungsknappheit berichtet, sagte Rentsch. 

Für die Flüchtlingshilfe in der Region um Mossul benötige das UNHCR 200 Millionen US-Dollar (190 Millionen Euro). Die Staatengemeinschaft habe aber erst etwa die Hälfte bereitgestellt, sagte Rentsch. Von den Flüchtlingen kamen den Angaben zufolge 108.000 Menschen in Camps unter. Doch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist ihre Lage schwierig. "Wir verteilen deshalb Winter-Notfallsets, die grundlegende Dinge, wie Planen, Matratzen, Zeltisolierungen und Heizöfen enthalten", sagte Rentsch. Gefragt seien auch warme Decken und Kinderschuhe.

Viele Neuankömmlinge haben Rentsch zufolge Schreckliches gesehen oder selbst durchlebt. Die psychosozialen Angebote müssten dringend ausgebaut werden. Insgesamt sind im Irak nach seinen Worten bereits rund drei Millionen Menschen auf der Flucht, neben dem Syrien-Konflikt eine der größten Fluchtbewegungen weltweit.