31.08.2017

„Unermüdlich im Einsatz für eine gewaltfreie Welt und die Gewissensfreiheit“

Dieter Junker
Evangelische Friedensarbeit

Immer wieder hat er sich für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt und hat Menschen, die aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe verweigerten, unterstützt, ihnen geholfen und sich für sie engagiert: Ulrich Finckh. Am 4. September wird der evangelische Theologe 90 Jahre alt. „ Ulrich Finckh hat durch seine Arbeit vielen Menschen in Gewissensnot geholfen und er hat durch sein beharrliches Engagement entscheidend mit dazu beigetragen, dass Menschen, die aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern, öffentliche Anerkennung erhalten für ihre Entscheidung“, so Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

„Ulrich Finckh hat sich Zeit seines Lebens mit Nachdruck, Beharrlichkeit und großem Engagement für ein Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt“, macht auch Dr. Christoph Münchow, der Bundesvorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), deutlich. Ein Grundrecht, das beantragt werde müsse und dann geprüft werde, sei kein Grundrecht, habe Ulrich Finckh, der von 1971 bis 1980 ehrenamtlicher Geschäftsführer der EAK war, immer wieder betont, meint Münchow. „Ulrich Finckh hat immer das Gewissen des Einzelnen in den Mittelpunkt gestellt“, so der EAK-Bundesvorsitzende.

Gerade auch in einer Zeit, in der Kriegsdienstverweigerer in der Gesellschaft oft stigmatisiert wurden, habe sich Ulrich Finckh mit großem Fachwissen und ebenso großem Engagement für deren Rechte, und für deren Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt. „Oft genug wurden Menschen, die aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe verweigerten, als Drückeberger diskriminiert oder in Prüfungsverfahren schikaniert. Ulrich Finckh gehörte zu denen, die diesen Menschen zur Seite stand, sie unterstützte und ihnen half, wo er konnte. Dies kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, hebt Christoph Münchow hervor. Für dieses Engagement sei die EAK ihm dankbar, so der EAK-Vorsitzende.

Nach seiner Verabschiedung als Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen habe Ulrich Finckh 2003 betont, dass, wer Recht und Schutz von Kriegsdienstverweigerern wolle, auch denen in den Weg treten müsse, die Kriege ausweiten und statt der Stärke des Rechts das Recht der Stärkeren praktizieren wollten. Dies werde auch nötig sein, wenn die Wehrpflicht falle, da auch freiwillige Soldaten noch verweigern könnten. „Dies ist im Blick auf die heutige Situation fast schon prophetisch zu nennen“, meint dazu der EAK-Bundesvorsitzende. Und Münchow betont: „Wir verdanken dem kenntnisreichen und streitbaren Theologen viele engagierte und leidenschaftliche Veröffentlichungen zur Friedenstheologie und Friedensethik.“

„Der überzeugte Pazifist Ulrich Finckh gehört seit Jahrzehnten zu den oft auch unbequemen Motoren der kirchlichen Friedensarbeit. Unermüdlich setzt er sich immer wieder für den Frieden und die Ächtung des Krieges sowie für eine gewaltfreie Welt ein, auch in Zeiten, in denen dazu Mut gehörte“, hebt der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms hervor. Im Zweiten Weltkrieg habe er hautnah als Soldat die Schrecken des Krieges erlebt. „Dies prägte ihn sein ganzes Leben“, so Brahms. Und gerade die Friedensverpflichtung des Grundgesetzes sei ihm bis heute stets ein wichtiges Anliegen.

Auch Bremen habe Ulrich Finckh viel zu verdanken, ergänzt Renke Brahms, der auch der Leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche ist. „Hier war er als Pfarrer und Seelsorger über viele Jahre tätig, hier gehörte er zu den Initiatoren des Sozialen Friedensdienstes Bremen, dessen Vorstand er lange Jahre angehörte. Zu Recht wurde Ulrich Finckh dafür 2012 vom Senat mit einem Empfang geehrt“, unterstreicht der EKD-Friedensbeauftragte.

Ulrich Finckh wurde am 4. September 1927 in Heilbronn geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er als Soldat miterlebte, studierte er in Marburg, Mainz und Göttingen evangelische Theologie und wurde zunächst Pfarrer in Mettenheim, dann Studentenpfarrer in Hamburg, bevor er 1970 in Horn in Bremen Gemeindepfarrer wurde und dies bis zu seinem Ruhestand 1991 blieb. Er war 1971 bis 2012 Mitglied im Vorstand des Sozialen Friedensdienstes, von 1971 bis 2003 Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, von 1974 bis 2004 war er Mitglied des Beirates für den Zivildienst und Mitbegründer der Gustav-Heinemann-Initiative.

Die evangelische Friedensarbeit habe Ulrich Finckh viel zu verdanken, machen sowohl Renke Brahms wie auch Christoph Münchow deutlich. Beide gratulieren dem Theologen ganz herzlich zum 90. Geburtstag und wünschen ihm Glück, Gesundheit und Gottes Segen auf dem weiteren Lebensweg.