19.01.2017

Kardinal Woelki warnt vor nationalistischen Tendenzen in der Politik

Köln (epd). Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat vor nationalistischen Tendenzen in der Politik gewarnt. "Je mehr Nationalismus unsere politisch Verantwortlichen leitet, umso gefährdeter ist der Frieden für alle", sagte er am Donnerstag im internationalen Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag im Kölner Dom. Die Verhältnisse in der Welt wandelten sich immer dort zum Schlechteren, "wo die Stärkeren auf Kosten der Schwächeren leben und wo nationalistische Tendenzen den universalen Ideen der Völkerverständigung entgegenstehen". 

Der Gottesdienst wurde von Protesten auf der Domplatte begleitet. Zu der Kundgebung hatte die Kölner Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft aufgerufen, die einen Stopp der Soldatengottesdienste und der Bundeswehrauslandseinsätze forderte. 

Woelki betonte, für die Kirche sei immer der Frieden das Ziel und nie der Krieg, "auch nicht ein sogenannter gerechter Krieg". Die Kirche fordere deshalb nachdrücklich, Gewaltanwendung aus der internationalen Politik zu verbannen und zu ächten. Trotzdem sei der Dienst von Soldaten und Soldatinnen unverzichtbar und auch ethisch gerechtfertigt, sagte der Erzbischof: "Denn auch eine Politik, die sich am Prinzip der Gewaltfreiheit ausrichtet, kann in Situationen geraten, in denen die Anwendung militärischer Gewalt als das kleinere Übel ethisch geboten sein kann."

Grund könne zum Beispiel eine Solidaritätspflicht gegenüber Verbündeten oder von Gewalt bedrohten und angegriffenen Menschen sein, erklärte der Kardinal. Einander beizustehen, sei ein hohes Gut. Frieden bedeute mehr als die Abwesenheit von Krieg, nämlich ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit.

Die Kölner Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft kritisierte den Soldatengottesdienst. Wer Soldaten segne, erleichtere ihr Gewissen und sorge dafür, dass Kriege weiterhin gerechtfertigt werden könnten, erklärte sie. Ein solcher Gottesdienst trage dazu bei, Bundeswehr und Militarismus in der Öffentlichkeit Raum zu geben und somit Krieg zu normalisieren. Die Protestaktion auf der Domplatte mit etwa 20 Teilnehmern verlief laut Polizei friedlich. Lediglich ein Demonstrant sei wegen der Beleidigung von Soldaten angezeigt worden.

Die Friedensgruppe übte auch Kritik an militärischen Auslandseinsätzen. "Überall da, wo das Militär zu 'Hilfe' eilte, ist die Lage der Menschen katastrophal", erklärte sie. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es nicht mehr so viele verzweifelte, gewaltbereite, verarmte und hungernde Menschen wie heute gegeben.