08.05.2017

Jugendnetzwerk kritisiert zunehmende Militarisierung in Deutschland

Michaela Hütig
epd

Düsseldorf/Lüneburg (epd). Das Jugendnetzwerk für Politische Aktion (JunepA) beklagt eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft in Deutschland. Eine immer größere Präsenz schwer bewaffneter Bundeswehrsoldaten in der Öffentlichkeit solle "suggerieren, dass wir sicherer sind", sagte Junepa-Pressesprecherin Clara Tempel dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf. Doch das Gegenteil sei der Fall. "Waffen zetteln Kriege mit an und halten sie aufrecht", betonte die Aktivistin des 2013 gegründeten Netzwerks, das für seine Aktionen zivilen Ungehorsams in diesem Jahr mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wird.

Angesichts von Krieg und Gewalt in vielen Teilen der Welt seien junge Menschen heute dringender denn je aufgerufen, sich aktiv für den Frieden einzusetzen. "Die Zivilgesellschaft muss raus aus ihrer Komfortzone und sich laut gegen Unrecht zur Wehr setzen", sagte Tempel. Manchmal reichten Demonstrationen und Mahnwachen nicht aus, um Missstände zu stoppen, sondern es brauche Mittel des zivilen Ungehorsams: Für Junepa sind das Blockaden von Waffenfabriken etwa des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns, von Atomanlagen wie am Fliegerhorst Büchel und von Bundeswehrstandorten.

Mit solchen Aktionen sieht sich das junge Netzwerk zwar in der Tradition der Friedensbewegung gegen Atomwaffen in den 80er Jahren. Zugleich wollen die meist zwischen 17 und 25 Jahre alten Aktivisten aber "neue Impulse und eine junge Perspektive" einbringen, wie Tempel erklärte: "Wir halten es für wichtig, dass junge Menschen ihre Stimme erheben für ihre eigene Zukunft und damit auch dem Vorurteil einer politikverdrossenen Jugend etwas entgegensetzen."

Dass das Aachener Friedenspreiskomitee auf die junge Gruppe aufmerksam wurde, stieß bei Junepa auf Überraschung, wie die 21-jährige Studentin aus Lüneburg sagte. Die Aktivisten seien glücklich darüber, dass "ein gesellschaftlich so anerkannter Preis an die Graswurzelarbeit einer unabhängigen kleinen Jugendgruppe geht, die auch manchmal Gesetze übertritt".

Von der Auszeichnung erhofft sich die Gruppe, deren fester Kern aus etwa 20 jungen Menschen besteht, weiteren Auftrieb und mehr Anerkennung für ihre Arbeit. "Gruppen wie wir werden oft als extrem abgestempelt", klagte Tempel. "Immer wieder müssen wir gegen das Klischee fauler Chaoten ankämpfen, die nichts gelernt haben und nur Krawall machen wollen."

Zu breit soll die Anerkennung aber auch nicht werden. "Wir wollen sicher nicht von der ganzen Gesellschaft für unsere Aktionen gelobt werden", betont die Aktivistin. "Denn ist es schließlich Teil unseres Konzeptes, andere aus ihrem Konzept zu bringen."