09.06.2017

Friedensverband beklagt steigende Zahl minderjähriger Soldaten

epd

Bonn (epd). Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) kritisiert die steigende Zahl von Minderjährigen in der Bundeswehr. "Es ist erschreckend, dass die Zahl minderjähriger Soldaten ihren höchsten Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht erreicht hat", sagte die EAK-Referentin für Kriegsdienstverweigerung, Jasmin Schwarz, am Freitag in Bonn. Bei der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 hatte es den Angaben zufolge in der Bundeswehr 689 Minderjährige gegeben. Ihre Zahl stieg bis 2016 auf 1.907 Minderjährige. 

Die EAK reagierte damit auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Demnach waren von den 1.907 Minderjährigen bei der Bundeswehr 698 als Soldaten auf Zeit und 1.209 als Freiwillige tätig. 89 waren auch nach Ablauf ihrer Probezeit noch nicht volljährig. Auch bei den Soldatinnen erreichte die Zahl der Minderjährigen einen Rekord: Laut der Bundesregierung waren dies im vergangenen Jahr 357 Mädchen.

"Diese Entwicklung ist schon erschreckend", erklärte Schwarz. Viele Jugendliche seien noch nicht in der Lage, wirklich die Konsequenzen eines freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr zu erkennen. Auch die Werbekampagne der Bundeswehr würde die gefährlichen Einsätze ausblenden und die Armee als eine Art großen Abenteuerspielplatz darstellen. "Das verharmlost den Soldatenberuf", betonte die EAK-Referentin.

Die EAK verweist in diesem Zusammenhang auf die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die die Rekrutierung Minderjähriger verbietet. "Es wäre gut, wenn sich die Bundesregierung an diese Konvention hält und die Werbung für den Soldatenberuf in Schulen und Jugendeinrichtungen endlich einstellen würde", sagte Schwarz. Es reiche nicht aus, dass die Bundesregierung darauf hinweise, dass Jugendliche nur mit Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter in die Streitkräfte eintreten dürften. "Wenn wir in Europa den Einsatz von Kindersoldaten in Asien oder Afrika kritisieren, dann dürfen wir das in Deutschland nicht einfach so hinnehmen."

Die EAK ist Teil der Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und beschäftigt sich mit Fragen der, Friedensethik, Friedenstheologie, Friedenspolitik und Friedenspädagogik.