01.09.2017

Friedensbeauftragter würdigt "Zivi-Pastor" Ulrich Finckh zum 90. Geburtstag

epd

Bremen (epd). Der evangelische Theologe und Pazifist Ulrich Finckh feiert an diesem Montag (4. September) seinen 90. Geburtstag. Der emeritierte Pastor der Bremischen Evangelischen Kirche ist Mitbegründer des Sozialen Friedensdienstes (SFD) in der Hansestadt und hat sich bundesweit als "Zivi-Pastor" einen Namen gemacht. "Ulrich Finckh hat durch seine Arbeit vielen Menschen in Gewissensnot geholfen und er hat durch sein beharrliches Engagement entscheidend mit dazu beigetragen, dass Menschen, die aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern, öffentliche Anerkennung erhalten für ihre Entscheidung", würdigte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, den Jubilar am Freitag. 

Finckh war über Jahrzehnte Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen und Mitglied im Bundesbeirat für den Zivildienst. Mit ihm hat der SFD in Bremen eine der bundesweit ersten Freiwilligenagenturen gegründet. "Der überzeugte Pazifist Ulrich Finckh gehört seit Jahrzehnten zu den oft auch unbequemen Motoren der kirchlichen Friedensarbeit", hob der leitende Bremer Theologe Brahms hervor.

Der Bundesvorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden, Christoph Münchow ergänzte, Finckh habe sich stets mit Nachdruck, Beharrlichkeit und großem Engagement für ein Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt. 

Finckh wurde 1927 in Heilbronn geboren. Was Krieg bedeutet, hat er am eigenen Leib durchlitten: Mit 15 Jahren wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen. Danach folgten Arbeitsdienst, Kriegsmarine und Infanterie. Nach Kriegsdienst und amerikanischer Kriegsgefangenschaft studierte er in Marburg, Mainz und Göttingen Theologie. 

Sein erstes Pfarramt übernahm Finckh im rheinhessischen Mettenheim. Später arbeitete er als Studentenpfarrer in Hamburg und dann als Gemeindepfarrer in Bremen. In der Nachkriegszeit beobachtete der in der Gustav-Heinemann-Initiative engagierte Bürgerrechtler mit Skepsis den Aufbau der Bundeswehr. Für sein zivilgesellschaftliches Engagement bekam Finckh den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis und den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union.

Vor einigen Jahren veröffentlichte Finckh ein Buch, das unter dem Titel "Vom heiligen Krieg zur Feindesliebe Jesu" zentrale friedensethische Gedanken des Theologen zusammenfasst. Der streitbare Pastor beschäftigt sich darin auf knapp 200 Seiten mit einem weithin unbekannten Prinzip des Grundgesetzes, der Verpflichtung zum Frieden.