20.07.2017

Erinnerung an Hitlerattentat vor 73 Jahren

epd

Berlin (epd). Mit einer Gedenkstunde hat die Bundesregierung am Donnerstag in Berlin an das gescheiterte Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 erinnert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte in der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte Plötzensee, der 20. Juli sei ein Aufruf zum Handeln, eine Ermutigung, für Recht und gegen Unrecht einzutreten. Zugleich sei das Hitlerattentat eine permanente Anfrage an Politik, Wissenschaft und Bildungsarbeit: "Wie hätten wir uns damals verhalten?", sei eine der bohrenden Fragen, die auch heute gestellt werden müsste, sagte Schmidt. 

An der Feierstunde in der Gedenkstätte Plötzensee nahmen zahlreiche Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens teil, unter anderem Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD). Die Ansprache hielt der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP). In der ehemaligen Hinrichtungsstätte wurden zwischen 1933 und 1945 unter den Nationalsozialisten fast 2.900 Menschen hingerichtet. 

Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat einer Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf Hitler. Der Oberst und vier Mitverschwörer wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 hingerichtet, weitere 140 Mitwisser traf es in den folgenden Tagen. 89 Frauen und Männer des 20. Juli 1944 wurden in Plötzensee erhängt. 

Schmidt betonte, der 20. Juli bleibe bis heute ein unbequemer Tag: "Er konfrontiert uns damit, dass es in dunklen Jahren Menschen gab, die eine Alternative zum Wegsehen und zum Mitmachen ergriffen, aber auch damit, dass es zu wenige waren, die ihrem Gewissen folgten oder folgen konnten."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, die ermordeten Widerstandskämpfer mahnten heute zur Selbstprüfung und zu einem entschlossenen Entgegentreten gegenüber Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Der Widerstand gegen das Naziregime und Adolf Hitler gehöre zum Fundament der freiheitlich-demokratischen Ordnung in Deutschland, unterstrich Müller.   

Der frühere Bundesinnenminister Baum sagte, Hitler sei kein Betriebsunfall der Geschichte gewesen. "Wir müssen wachsam bleiben" gegenüber den Feinden der Demokratie, unterstrich Baum. Die offene Auseinandersetzung und die Aufarbeitung der Geschichte erfülle die Demokratie mit Kraft. 

Seit 2015 finden die Gedenkveranstaltungen der Bundesregierung zum 20. Juli im jährlichen Wechsel im Bendlerblock und in der Gedenkstätte Plötzensee statt. Im Bendlerblock befinden sich heute das Verteidigungsministerium und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Im Anschluss an das Totengedenken wurden mehrere Kränze niedergelegt.