11.11.2017

Diakonie Katastrophenhilfe: Staatszerfall im Südsudan bremst Hilfe

Marc Engelhardt
epd

Berlin (epd). Der weitgehende Zusammenbruch der staatlichen Ordnung im Südsudan macht die Hilfe in dem ostafrikanischen Land nach Angaben der Diakonie Katastrophenhilfe immer schwerer. Die Lage in dem Bürgerkriegsland sei unübersichtlich, Hilfe oftmals lebensgefährlich, sagte der Leiter der evangelischen Nothilfeorganisation, Martin Kessler, im epd-Gespräch. 

"Alleine im vergangenen Jahr sind 98 humanitäre Helfer im Südsudan Opfer von Gewalt geworden." Den Zugang zu den Notleidenden vergleicht Kessler mit dem in Somalia, das als besonders kompliziertes Land für Helfer gilt. "Die Lage ist sogar noch schlimmer, weil im Südsudan die lokalen, zivilgesellschaftlichen Partner fehlen."

Ungeachtet dieser und anderer Hürden müsse die Hilfe aber mindestens auf gleichem Niveau fortgesetzt werden, forderte Kessler. "Nur weil Geber auf die Frühwarnungen Anfang dieses Jahres reagiert haben, haben humanitäre Helfer das Schlimmste verhindern können." Lasse die Hilfe nach, sei eine Katastrophe mit zahlreichen Hungertoten nicht zu verhindern. Kessler kritisierte die südsudanesische Regierung dafür, dass sie Helfern ihre Arbeit - etwa durch überhöhte Gebühren - erschwere.

"Es ist grenzwertig, wenn wir für jeden Mitarbeiter im Land 4.000 US-Dollar im Jahr zahlen müssen und gleichzeitig wissen, dass die Regierung einen Bürgerkrieg führt", betonte Kessler. Die Höhe der Gebühren ebenso wie hohe Strafzahlungen für angebliche Verfehlungen zeigten, dass der südsudanesische Staat nahezu pleite sei: "Die Öleinnahmen fehlen, die Inflation galoppiert - deshalb werden jetzt selbst humanitäre Helfer geschröpft."

Der Evangelische Pressedienst (epd) hatte am Donnerstag über ein Schreiben und eine Liste berichtet, mit denen Hunderte Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bezichtigt werden, nicht über die erforderlichen Genehmigungen zur Arbeit im Land zu verfügen. In dem Schreiben an die UN-Nothilfekoordination droht die südsudanesische Regierung damit, diese ausländischen Mitarbeiter auszuweisen. Dennoch sei er sicher, im Südsudan erwünscht zu sein, erklärte Kessler. "Die Regierung weiß, dass sie uns braucht, und für die Bevölkerung gilt das in noch höherem Maße."

Denn obwohl eine Hungerkatastrophe in den vergangenen Monaten verhindert wurde, sei die Zahl der Hungernden im Südsudan in diesem Jahr weiter gewachsen. "Wir haben sechs Millionen Südsudanesen, die auf Hilfe angewiesen sind, in der ganzen Region ist die Zahl von 30 Millionen im vergangenen Jahr sogar auf 36,5 Millionen gestiegen."