30.04.2016

Wehrbeauftragter für weniger Auslandseinsätze der Bundeswehr

epd

Essen/Berlin (epd). Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hat sich für weniger Auslandseinsätze der Bundeswehr ausgesprochen. "Deutschland muss nicht überall dabei sein", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Es sei besser, Schwerpunkte zu setzen und sich substanziell zu engagieren. Manche Kleinsteinsätze mit weniger als 20 deutschen Soldaten "könnte man anderen Partnern ganz überlassen".

"Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass die Personalstärke der Bundeswehr den Aufgaben entspricht, also künftig eher oberhalb der bisher veranschlagten 185.000 liegt", erklärte Bartels. Zurzeit habe Deutschland 177.000 aktive Soldaten. "Und auch beim Zivilpersonal ist zu drastisch reduziert worden", sagte der SPD-Politiker.

Zudem sprach sich der Wehrbeauftragte für einen höheren Frauenanteil in der Bundeswehr aus. Das Ziel von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), den Anteil auf etwa 15 Prozent zu erhöhen, könne "nur ein Zwischenschritt sein", betonte er. Viele Partner wie Frankreich, Kanada oder die USA lägen schon darüber. "Ich plädiere für eine selbstbewusste Frauenoffensive der Bundeswehr", erklärte Bartels. Dazu gehöre auch die Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen.

Allerdings machten Frauen im Bundeswehralltag "heute immer noch ambivalente Erfahrungen", betonte der Wehrbeauftragte. "Und zu viele müssen sich sexistische Sprüche anhören oder Sprüche, die ihre Leistungsfähigkeit infrage stellen." Zwar tolerierten die meisten Vorgesetzten solch ein Verhalten nicht, wenn es gemeldet werde. Aber nicht alle Vorfälle würden gemeldet. "Die Kultur ändert sich, wenn auch langsam", sagte Bartels.