19.09.2016

Teilnehmer des Friedenstreffens in Assisi erwarten Papst

epd

Rom (epd). Papst Franziskus wird am Dienstag zum interreligiösen Friedenstreffen in Assisi erwartet. Zum Abschluss der dreitägigen Begegnung von rund 500 Religionsvertretern und Tausenden von Gläubigen aus aller Welt will das katholische Kirchenoberhaupt für den Frieden beten und mit Repräsentanten von Orthodoxie, anglikanischer Kirche, Judentum und Islam sprechen.

Für die Abschlussveranstaltung am Dienstag sind eine Ansprache des Papstes sowie eine gemeinsame Erklärung geplant. Unter dem Motto "Durst nach Frieden - Religionen und Kulturen im Dialog" trafen die Teilnehmer des Friedenstreffens in der mittelitalienischen Stadt am Montag zu Diskussionen über religiöse, kulturelle, soziale, politische und finanzwirtschaftliche Aspekte von Konfliktvermeidung zusammen.

Der Dialog zwischen Religionen und Kulturen sei nötig, um Intoleranz und religiösen Fanatismus einzudämmen, sagte der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel.  Unterschiedliche Kulturen dürften nicht "auf dem Altar der Globalisierung" geopfert werden. Begegnungen zwischen Kulturen und Glaubensgemeinschaften müssten für mehr Solidarität sorgen und gleichzeitig ungebremsten Konsum eindämmen, sagte das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit. Der "Konsumismus" bereichere wenige Menschen, während er viele Menschen in Armut stürze.

Rabbiner David Rosen vom American Jewish Committee (AJC) sagte, der Dialog der katholischen Kirche mit den Religionen sei eine Art unwillentliche Folge des Dialogs mit dem Judentum gewesen. Das sei eine "faszinierende Ironie" der Geschichte. Denn vor 50 Jahren hätten katholische Kirchenvertreter aus dem Nahen Osten einer Hinwendung zum Judentum kritisch gegenüber gestanden, da diese in ihrem Umfeld als Parteinahme im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gegolten habe.

Und im Fernen Osten habe der Dialog mit Buddhisten und Hindus größere Bedeutung gehabt, betonte Rosen. So sei die katholische Erklärung "Nostra  aetate" von 1965 über den interreligiösen Dialog zwar aus dem Wunsch entstanden, die eigenen Beziehungen zum Judentum anzugehen. "Das war aber nur möglich, indem die Kirche ihr Verhältnis zum Islam und den Religionen des Ostens ebenfalls anging", sagte Rosen. "Fast unwillentlich" hätten die jüdisch-christlichen Beziehungen somit das Engagement der Kirche im Hinblick auf die übrigen Weltreligionen erleichtert.